1. Oktober 2007, von

Chrysler Building oder: Mein falscher Weg

Chrysler Building, New York CityIch bin ein wenig stolz:  Mein Foto Chrysler Building hat es auf die erste Seite bei Google geschafft.  Sucht man dort nach Fotos des Gebäudes, dann wird es auf Rang 18 gelistet — bei einer Gesamtzahl von circa 75.200 im Internet gefundenen Abbildungen zu dem Sujet.

Vier Plätze vor mir fiel mir eine hübsche Collage auf.  Die Dortmunder Galerie Zimmermann & Heitmann zeigt ebenfalls das berühmte Gebäude — hier allerdings in einer Kombination aus Siebdruck und Malerei, erstellt vom Maler Jörg Döring.

Seine interessanten Werke veranlassten mich, etwas weiter zu klicken, und so landete ich auf seiner Biografie …

Maler!  Ich hätte Maler werden sollen.  Wozu zappele ich mir einen ab, arbeite an einer akzeptablen und lesbaren Schreibe, schlage auch schon mal etwas bei leo nach — wenn das alles auch viel einfacher geht?  Als Maler hätte mir bestimmt jeder den schlampigen Umgang mit der Sprache verziehen.  Malerei ist — im Gegensatz zu meinem Berufsfeld — grosse Kunst.  Und Künstler dürfen schlampen …

Er gibt sich international:  Die englischen Brocken in seiner deutschen Biografie sind wahrscheinlich cool.  Der Maler Döring wurde «born in the wild 60th» lese ich.  Ouch!  Das th gibt bei unvorsichtiger Aussprache Flecken auf dem Bildschirm — und das ist völlig überflüssig!  Die Sechzigste Strasse schreibt man in Städten wie New York City 60th St — aber die Zeitangabe «in den wilden Sechzigern» sollte dann doch als Sixties, von mir aus auch als 60ies gepinselt werden.

Der Künstler glänzt glücklicherweise nicht mit Halbwissen, sondern beeindruckt mit Viertelenglisch.  «Thanks god» meint er plump vertraulich zu dem mystischen Wesen im Himmel.  Danke, Gott.  Aber halt:  Da fehlt im Original ein Komma zwischen dem Dank und dem Angesprochenen.  Anstatt guter Beziehungen zum Schöpfer hat der Schreiber vielleicht nur eine Sprachschwäche?  «Thank God» im Sinne von «Gott sei Dank» (mit einem respektvoll grossgeschriebenen Gott) ist ein häufig verwendeter Ausdruck im Englischen.  Und falls man sich etwas Mühe macht, dann sollte man das als Kosmopolit (denn so gibt sich unser Protagonist) auch wissen.

Wenn die Grenze zwischen der deutschen und der englischen Sprache dann so verschwimmt, wie in «Lokal Hero sein reicht nicht mehr», dann ist das sicher künstlerische Freiheit — oder die Folge zu vieler Lokalbesuche beim Schreiben.  Um beides beneide ich den Maler.

Doch auch in seiner deutschen Sprache ist der künstlerische Drang zu spüren: «Hinterhof, Treppe rauf, Groß, naß, kalt, leer aber billig.»  War das hier beschriebene Atelier tatsächlich so gross, dass man «Groß» gross schreiben muss?  Und waren die grossen Bilder so klein, dass man sie besser klein schreibt: «Ein paar große gingen dann doch noch gut weg»?

Ach, was krittele ich so beckmesserisch rum, Fehler machen wir doch alle — und ich bestimmt auch hier im Blog!  Ob das aber in einer im Internet veröffentlichten Biografie sein muss?  Nun, wahrscheinlich ist es der Trend, anderen Menschen solche Art der Mitteilungen zuzumuten:  Dick and quirky eben, um im hingeschluderten Stil des Ganzen zu bleiben.  Es wird schon gut sein.  Ein weiteres Fundstück aus dem Text beschreibt eine sicher bei vielen Menschen anzutreffende Einstellung:  Macht doch «nicht’s».

Ich fahre jetzt jedenfalls zum boesner und kaufe Farbe.

-fj

[Die hier verwendeten Zitate sind zu finden bei:  Jörg Döring, Eine Biographie, 1. Versuch]

Anmerkung, viele Monate später:  Platz 18 bei Google ist mittlerweile Vergangenheit …


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