27. Juni 2008, von

Pommes

Nein, nicht der Pascal Hens (das ist der Handballer, der seine Persönlichkeit mit einer spätpubertären Unterart einer Irokesenfrisur betont) ist hier gemeint, auch nicht die Fettleibigkeit verursachende Essenbeilage aus Belgien — es geht um: Äpfel (französisch: pommes).

Was das mit der Wetterau zu tun hat?  Nun, bei uns im Garten stehen einige Obstbäume (soweit sie der Gewittersturm Ende Mai nicht geknickt oder entwurzelt hat).  Einer der Apfelbäume ist weit ausladend, trägt jedes Jahr massenhaft Früchte und so mancher Ast droht, ab dem Spätsommer unter der Last abzubrechen.  Als Stadtkind mangelt es mir natürlich an Detailwissen über Landwirtschaft, und so fragte ich neulich bei der alten Bäuerin nach, um das Alter des Baumes zu erfahren.

080627_baum_200x260.jpgSie erzählte, dass ihr Vater in französischer Kriegsgefangenschaft war, 1948 entlassen wurde — und mit ein paar Apfelkernen in der Tasche zurück auf den heimischen Hof kam.  Er war ein passionierter Obstbaumfreund und legte den auch heute noch teilweise vorhandenen Obstgarten an.  Aus einem der Apfelkerne wuchs der mittlerweile sechzig Jahre alte, stattliche Schattenspender.  Französische Äpfel in der Wetterau — das hätte ich nicht gedacht, als ich zuletzt eine dieser Früchte ass.  Aber kann man sicher sein, dass es sich tatsächlich um französiche «Pommes» handelt?  Wer weiss schon, wo der der Ursprung jenes Kerns lag, den irgend jemand damals — vor vielleicht 120 Jahren? — in Frankreich in den Boden steckte?

Heute hat der Baum bei uns hinterm Haus neben der herbstlichen Apfelernte noch andere 080627_kater_290x200.jpgwichtige Funktionen: Der alte Bauer sitzt manchmal dort und ruht im Schatten aus, der mutige Hofkater hoch oben in den Ästen ebenso.  Vermutlich sinnieren beide über das Leben — obwohl der Kater dabei sicher öfter von seinen Gedanken abgelenkt ist, wenn ihn die örtliche Spatzenbande gerade mal wieder neckt.  Und so mancher Igel freut sich über das Fallobst.

Neulich, nach einer Reise, kam ich in den Garten und fand verlassene Tische und Stühle im Schatten des Apfelbaums.  Auf der leuchtend roten Tischdecke standen noch die Reste einer Mahlzeit: Alle drei Generationen der ehemaligen Bauernfamilie hatten dort gegessen.  Vermutlich waren es sogar vier Generationen — denn der Urgrossvater, der den Apfelkern aus Frankreich mitgebracht hatte, der war bestimmt irgendwie dabei …

-fj

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