13. Juli 2008, von

Froschkonzert

Gegen Mit­ter­nacht am Pfaf­fen­see bei Get­tenau …


Froschkon­zert?  Mein Duden hilft mir auf die Sprünge: «Con­certo» ist ita­lie­nisch und bedeu­tet Über­ein­stim­mung.  «Con­cert­are» ist latei­nisch für wett­ei­fern.  Die Frö­sche hier in der Gegend spre­chen eher Latein. Ich schnappe mei­nen Audio­re­kor­der und meine Taschen­lampe.  Ein mit­ter­nächt­li­cher Spa­zier­gang an die Rän­der der Seen und Tei­che in der Gegend soll mich näher heran brin­gen an den viel­stim­mi­gen Chor, der in war­men Som­mer­näch­ten stun­den­lang aus der Ferne durchs offene Fens­ter dringt. Die Ang­ler­tei­che, deren Ver­bots­schild die Rei­her der Wet­terau wohl schon immer igno­riert haben, sind fisch­frei, aber nicht unbe­wohnt.  Ich nähere mich lang­sam und mir fal­len die erha­be­nen Worte ein:  Still ruht der See …


Still ruht der See, die Vög­lein schla­fen,
Ein Flüs­tern nur, du hörst es kaum.

Hier an die­sem See kann Hein­rich Pfeil nicht geses­sen haben, als er 1879 seine Zei­len schrieb.  Zumin­dest nicht in einer Som­mer­nacht wie die­ser.  Das Wett­ei­fern der grü­nen Gesel­len wird nur manch­mal über­tönt von einer Mücke am Ohr. Vom viel­fach grös­se­ren Pfaf­fen­see [Google Maps] schallt es noch gewal­ti­ger her­über.  Ich mache mich auf den Weg, die Mücken fol­gen mir anhäng­lich.  Als ich die Treppe zum Aus­sichts­häus­chen hoch­steige, höre ich das Gequake hun­der­ter oder gar tau­sen­der mit­tei­lungs­be­dürf­ti­ger Ker­mits unge­fil­tert durch Wälle oder Büsche.  Was für ein Spek­ta­kel!  Die auf­ge­bla­se­nen Äus­se­run­gen der hand­voll Grün­beine im Gar­ten­teich bei uns daheim erscheint mir ab jetzt wie ein zar­tes Zir­pen. Was mögen Ente, Gans und Bläss­huhn zu die­ser nächt­li­chen Ruhe­stö­rung in ihrem Gewäs­ser mei­nen?

Der Frosch, der fragt den Gän­se­rich:
„Stört dich mein Frosch­ge­quake nicht?“
„Nein, kein Pro­blem,“ sagt da der Gans­mann,
„denn mein Vater war ein Franz­mann,
und auch meine alte Mut­ter
zau­berte mit Knob­lauch­but­ter!
Das biss­chen Lärm ist bald ver­ges­sen —
der Storch kommt heut zum Abend­essen.“

[aus mei­nem Zyklus: Gedichte, die kei­ner ver­steht]

-fj

3 Kommentare auf "Froschkonzert"

  1. Jehser, Maren sagt:

    Das Foto des Fro­sches mit der Wespe auf dem Rücken ist ja ein gran­dios-gelun­ge­ner Schnapp­schuss! Gefällt mir sehr. Ist das Bild mit Zoom-Objek­tiv auf­ge­nom­men?

  2. Frank J. sagt:

    Hallo Maren,

    es han­delt sich tat­säch­lich um ein Zoom-Tele­ob­jek­tiv, das ich für meine Sit­zun­gen am Gar­ten­teich ver­wende. Die Frö­sche dort ken­nen mich ver­mut­lich bereits -- und den­ken sich eben manch­mal sol­che Spässe aus. ;-)

    -Frank

  3. Wun­der­bar! Erin­ne­run­gen an meine Urlaubs­in­sel plop­pen hoch. Da gibt es eine Straße durch Bana­nen­fel­der, in denen all­abend­lich hun­derte Grün­hop­ser con­cer­tie­ren.

    Obwohl wir eigent­lich immer sagen: „Hör‘ mal: Die Frö­sche ficken!“

    Letz­tere Bemer­kung unge­kürzt wegen der Leser­zah­len und dem ent­spre­chen­den gesuch­ten Voka­bu­lar, ver­steht sich - sonst spricht man in der Öffent­lich­keit ja anders, aber wenn es denn der Quote dient … ;-)

Schreiben Sie einen Kommentar