31. Januar 2009, von

Müll für die Sinne (I)

Blecka.  Das sind Haken von IKEA.  Deshalb wird BLECKA gross geschrieben — wie alles bei IKEA.  Kein schöner Name, aber immerhin nicht so abstossend wie VIREN für eine WC-Bürste.

Vier Stück BLECKA für knapp fünf Euro sind ein gutes Angebot.  Was fehlt, sind die Schrauben.  Nein, ich greine nicht über die zusätzlichen Kosten eines Baumarktbesuchs (der die Einsparungen bei IKEA wieder zunichte macht).  Ein Baumarkt moderner Prägung bietet mir nämlich neben passenden Schrauben zu BLECKA auch völlig kostenlos einen Mehrwert:  Ich kann dort etwas für mein anarchistisches Seelenheil tun.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA         Wird man in Kaufhäusern und Supermärkten systematisch beplätschert mit belangloser Fahrstuhlmusik (englisch:  Muzak, interessante Hintergründe dazu), die verständige Kunden zu willenlosen Kaufrobotern umformen soll, so haben Baumärkte einen viel höheren Anspruch:  Wertvolle Produktinformationen sprudeln aus kleinen Informationsgeräten an jeder Regalecke.

Der innovative Spachtel für runde Ecken, der Tapetenschneider aus der Weltraumtechnik, der Pinsel ohne Borsten — all das (und viel mehr) wird rund um die Uhr mit beeindruckenden Bildern und eindringlichen Worten präsentiert.  Meint es der Marketingleiter besonders gut, dann stellt er zwei dieser Geräte nah beieinander auf, so dass der wissbegierige Kunde Informationen über zwei Produkte gleichzeitig aufnehmen kann.  Für wie dämlich halten uns diese Verkaufskanonen eigentlich?  Es ist zum verrückt werden!

Ich habe dieser Form von akustischer Umweltverschmutzung den kleinen und gemeinen Kampf angesagt:  Ich drehe ab.  Wann immer ich mich unbeobachtet fühle, suche ich Lautstärkeregler oder Ausknopf und geniesse die Ruhe nach der erfolgreichen Attacke.  Bis zum nächsten Regal.

Aber es ist auch ein wenig wie bei der Geschichte von Hase und Igel:  Früher waren es meist einfache Fernsehgeräte, die ihren audio-visuellen Müll in die Gänge schickten.  Die Bedienelemente lagen vorne und gut im Zugriff für Rebellen wie mich.  Ein Tastendruck und Ruhe war …

Doch der Gegner schläft nicht:  Immer ausgetüftelter werden die Methoden, um die Dauerberieselung durch Werbebotschaften zu sichern.  Der Auftrag lautet schliesslich:  Hämmert die Botschaft in die Köpfe der willenlosen Kundschaft.  Also sind heute Lautstärkeregler schon mal unter einer Blende versteckt, der Ausknopf liegt kaum erreichbar hinten am Gerät — die Herausforderungen für Anarchos wie mich werden grösser.  Auch gegen meine neuste Taktik — Stecker ziehen — hat man teilweise schon Vorkehrungen getroffen.  Der Strom in unser Käuferbewusstsein soll ungehindert fliessen.

Neulich sah ich neben einem Werbeautomaten für den perfekten Bohrschrauber diese wunderbaren, isolierten Kneifzangen im Regal liegen …

-fj

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