5. Februar 2009, von

Blick auf Frankfurt

Ein nebliger Morgen in der Wetterau — die Silhouette der Frankfurter Skyline ist nicht zu sehen.  Das „Elend“ der Finanzwelt erreicht mich aber trotzdem per Funkwellen:  HR1 berichtet, dass der Verlust der Deutschen Bank im Jahr 2008 nun also tatsächlich bei 3,9 Milliarden Euro lag.  Im Vergleich zum Vorjahr ist das Ergebnis um 10,4 Milliarden Euro schlechter.  Die bedauernswerten Teilhaber der Deutschen Bank werden laut Hessischem Rundfunk mit der lächerlichen Dividende von nur 0,50 Euro pro Aktie abgespeist.  Das dürfte dem renditegewohnten Anleger die salzigen Schweisstropfen der Existenzangst aufs Frühstücksei perlen lassen.

090205_frankfurt01_220x086.jpgNachdem die Ackermann-Truppe den Aktienkurs mit sicherer Hand binnen 52 Wochen von circa 80 Euro auf um die 20 Euro reduziert hat, sollte sie nun unter den von der Regierung gespannten Schutzschirm schlüpfen.  Schliesslich muss die Bank für die zum 31. Dezember 2008 im Umlauf befindlichen 570.859.015 Aktien ja jetzt 285.429.507,50 Euro an Dividenden zusammenkratzen.  Vermutlich wird man zur Finanzierung zuerst das Gehalt des Hausmeisters kürzen — wenn die Regierung nicht einspringt.  Und das sollte sie tun, denn schliesslich geht es um den Arbeitsplatz des Hausmeisters.

Der Autor dieses Blogs überlegt nun, ob er sich ebenfalls vertrauensvoll an Frau Merkel wenden sollte:  Vielleicht ist unter dem Schirm ja noch ein Plätzchen frei für einen Kulturschaffenden?  Hallo Herr Ackermann, könnten Sie bitte ein wenig beiseite rücken?  Die Antwort wird vermutlich nicht nur negativ ausfallen, sondern gipfelt in einem Satz mit drei „die“s:  Guter Mann, hier ist kein Platz für Normalbürger, es ist alles reserviert für die, die die Krise zu verantworten haben.

090205_frankfurt02_220x289.jpgAnstatt seines kleinen Blogs hätte der Autor besser die Gründung einer internationalen Holding mit Sitz in Liechtenstein und geborgtem Stammkapital von drei Millionen Euro erwägen sollen.  Als Sicherheit hätte das gebrauchte 4-Quadratmeter-Gartenhäuschen dienen können — so macht man Geschäfte, so ist man erfolgreich und sexy.

Jaja, ich bin neidisch auf Herrn Ackermann, seine Bezüge und seinen stets mit einer Dollarnote gezogenen Scheitel.  Als Autor bin ich allerdings noch neidischer auf das von ihm überlieferte, grossartige Zitat:

Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.

Diesen beeindruckenden Satz hatte sich der arme Kerl abgerungen, als er vor dem Landgericht Düsseldorf wegen überhöhter Prämienzahlungen angeklagt war.  Der drohenden Verurteilung entzog sich das schweizer Cleverle damals durch die freiwillige Zahlung von 3.200.000 Euro.

Wie mag Herr Ackermanns Einschätzung dieses von ihm so verrissenen Landes heute aussehen?  Ich habe einen Vorschlag:

Dies ist ein Land, in dem denjenigen, die sich unverhältnismässig bereichert und die Grundlage für eine weltweite Krise geschaffen haben, deswegen seitens der Allgemeinheit geholfen wird.

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Wenn Herr Ackermann von seinen Frankfurter Glastürmen Richtung Norden schaut und über die Wetterau blickt, ob er dann manchmal darüber nachdenkt, dass es durchaus auch ein gutes Leben jenseits der Millionen und Milliarden gibt?  Na, ich vermute, er kennt die Wetterau gar nicht.  Also Herr Ackermann: Abonnieren Sie den Blog — es ist völlig umsonst.  In Ihrem Fall aber vermutlich auch vergebens.

-fj

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