6. März 2009, von

Abkupfern!

Ach, die eigene Unzu­läng­lich­keit ist manch­mal bedenk­li­cher als es die Wir­ren des Lebens sind, denen ich so gerne nach­stelle.  Aktu­el­les Bei­spiel:  Die Ter­mine der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung in Rei­chels­heim.

Gerne würde ich ab und zu die Sit­zun­gen die­ses Gre­mi­ums besu­chen — stö­bere aber seit mehr als einem Jahr ver­ge­bens nach den Ter­mi­nen auf den Web­sei­ten der Stadt.  Ich beklagte mich bei Bekann­ten, Poli­ti­kern und im Vor­zim­mer des Bür­ger­meis­ters.  Alle bedau­er­ten, dass die Infor­ma­tion nicht online ver­füg­bar sei — und ver­wie­sen mich auf den Stadt-Kurier (vom Ver­lag Wit­tich), den ich kos­ten­pflich­tig bezie­hen könne.  Sämt­li­che Ter­mine seien dort auf­ge­führt.

Nun, ich gebe zu, dass — trotz mehr­ma­li­ger, wohl­wol­len­der Lese­ver­su­che — mich die­ses Druck­werk nicht beson­ders in sei­nen Bann geschla­gen hat.  Nur für ein Dut­zend Ter­min­hin­weise im Jahr 27 Euro zu bezah­len, erscheint mir nicht ange­mes­sen.  Die Kon­se­quenz:  Man­gels Kennt­nis der Ter­mine habe ich bis­her noch keine Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung besucht.

Und dann erfahre ich heute aus zuver­läs­si­ger Quelle, dass die Ter­mine doch regel­mäs­sig im Inter­net ver­öf­fent­licht wur­den — ich habe sie nur nicht ent­deckt.  Augen auf, Frank!  Wie kann man nur so ver­pennt sein?

Dabei bie­tet die Stadt Rei­chels­heim mit der Publi­zie­rung im Inter­net bereits mehr, als sie nach § 7 Punkt 2 der Haupt­sat­zung vom 21. Januar 2001 tun muss.  Dort ist fest­ge­legt, dass Ver­öf­fent­li­chun­gen der Ter­mine der Stadt­ver­ord­ne­ten­sit­zun­gen an den Bekannt­ma­chungs­ta­feln erfol­gen müs­sen — es ist keine Rede von Stadt-Kurier oder World Wide Web.  Ande­rer­seits:  Diese Sat­zung stammt fast noch aus einer Vor-Inter­net-Zeit.  Im heu­ti­gen, digi­ta­len Zeit­al­ter wäre eine Ergän­zung der Sat­zung sicher ange­bracht.

zitat01.jpgIch hab’s also nicht gefun­den, es war trotz­dem da — doch selbst Betei­ligte wuss­ten das nicht.  Worin mag diese etwas absurd klin­gende Geschichte ihren Grund haben?  Nun, ers­tens bekenne ich mich schul­dig, nicht jeden Tag in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der auf den Inter­net­sei­ten Rei­chels­heims geschaut zu haben.  Wofür ich aber auch kei­nen Grund hatte, wenn zwei­tens sogar Stadt­ver­ord­nete bestä­tig­ten, dass die Ter­mine online nicht ver­füg­bar seien.  Drit­tens aber muss ich auch ver­mu­ten, dass die Online-Prä­sen­ta­tion der Daten nicht beson­ders gut gelun­gen ist:

Die Sicht­bar­keit der poli­ti­schen Ter­mine ist nicht allzu gross, wenn diese in einem all­ge­mei­nen Ter­min­ka­len­der ver­öf­fent­licht wer­den, in dem heute, am 5. März 2009 vom  Kräp­pel­nach­mit­tag (war vor knapp einem Monat) bis zum Abbau der Weih­nachts­feier 2009 (ist in mehr als neun Mona­ten) viel zu fin­den ist — aber eben kein Sit­zungs­ter­min der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung.  Irgend­wann hört man dann auf, dort nach­zu­schauen.

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Wäre es nicht gut, einen Bereich Poli­tik zu haben, in dem alles rund um die­ses Thema auf­ge­führt wird?  In dem die Dinge, die zusam­men gehö­ren, auch bei­sam­men ste­hen?  Das ist heute nicht der Fall und es ist an jeder Ecke zu erken­nen, dass die Sei­ten nicht mit Herz­blut gemacht sind, dass es ver­mut­lich an Betrof­fen­heit und/​oder Enga­ge­ment fehlt.  Sonst wäre längst mal jemand auf die Idee gekom­men, die Dinge ein wenig aus­zu­bauen, über­sicht­li­cher zu gestal­ten, bür­ger­freund­li­cher zu kon­zi­pie­ren.

Wie so etwas gemacht wer­den kann, zei­gen andere Städte in der Wet­terau: Dort sind nicht nur die Ter­mine in über­sicht­li­cher Form online ver­füg­bar (Bei­spiel: Butz­bach), son­dern auch die Tages­ord­nun­gen (Bei­spiel: Kar­ben), dazu­ge­hö­rige Anträge (Bei­spiel: Bad Nau­heim, vor­bild­lich!) und sogar Pro­to­kolle bis­he­ri­ger Sit­zun­gen (Bei­spiel: Fried­berg mit bemer­kens­wert sorg­fäl­tig erstell­ten Doku­men­ten).  Bad Nau­heim stellt sogar ein Orga­ni­gramm der poli­ti­schen Gre­mien vor!

zitat02.jpgOb da wirk­lich nie­mand aus Rei­chels­heim mal ein Auge drauf gewor­fen hat?  Und wenn ja:  Hat das dann nicht bes­ser gefal­len als der eigene Web­auf­tritt?  Und wenn es bes­ser gefal­len hat, ist dann nicht die Idee gekeimt, das Kon­zept zu über­neh­men?  Denn wir alle wis­sen:  Bes­ser gut abge­kup­fert als schlecht erfun­den.  Dass das eine manch­mal sehr sinn­volle Lebens­weis­heit ist, wis­sen wir nicht erst, seit es Koch­re­zepte gibt.

Die hoff­nungs­volle Nach­richt zum Schluss:  Nach Aus­kunft aus dem Rat­haus arbei­ten die Rei­chels­hei­mer bereits an einem neuen Web­auf­tritt.  Ich bin gespannt, wel­che Ideen der neue Bür­ger­meis­ter in die Rea­li­sie­rung ein­bringt — und vor allem wel­chen zusätz­li­chen Nut­zen die neuen Web­sei­ten dem Bür­ger brin­gen wer­den.  Nicht aus tech­ni­scher Sicht, son­dern inhalt­lich und in Bezug auf eine über­sicht­li­che Auf­be­rei­tung.  Wenn ein paar enga­gierte Men­schen an dem Pro­jekt mit­ar­bei­ten und die Umset­zung nicht nur als tech­ni­sche Pflicht­auf­gabe, son­dern auch als Chance zur Mit­ar­beit (krea­tive Ideen, gute Inhalte, sorg­fäl­ti­ges Design, ordent­li­cher Satz, Recht­schreib­kor­rek­tu­ren, Plau­si­bi­li­täts­prü­fun­gen, etc.) gese­hen wird, dann kann es etwas wer­den.

Und selbst wenn die Ideen nur abge­kup­fert sein soll­ten, dürfte kaum jemand böse sein.  Viel­leicht wird es ja ein best of der Wet­ter­auer Web­sei­ten?  Ab Juni 2009 wer­den wir es vor­aus­sicht­lich sehen.

-fj

4 Kommentare auf "Abkupfern!"

  1. Veilchen sagt:

    Hui - der Kalen­der auf den Rei­chels­hei­mer Sei­ten wurde aktua­li­siert!

    Ich starte mal eine Wunsch­liste zur kom­men­den Web­seite:

    Als Infor­ma­tio­nen auf den Rei­chels­heim Web­sei­ten wün­sche ich mir Links zu den Web­sei­ten der loka­len Ver­eine, oder wenn der Ver­ein keine Web­seite hat, einen Über­blick, wel­che Akti­vi­tä­ten dort ange­bo­ten wer­den.

    Auch fände ich wert­voll, wenn kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen, wie z.B. die Vor­le­sungs­reihe der evan­ge­li­schen Frau­en­gruppe im let­zen Jahr, oder die Wet­ter­auer Weit­sicht in Bei­en­heim dort ange­kün­digt wür­den.

    Warum nicht auch die Infos, wie z.B. die dass es Don­ners­tag­nach­mit­tags einen Frisch­fisch-Stand am Rewe gibt?

    Gibt es wei­te­ren Bedarf, was der Rei­chels­hei­mer Bür­ger gerne online sähe?

    Das Veil­chen

  2. Martin sagt:

    Danke für den Bei­trag! Da ich in der WZ vom Ter­min am 18.03. las (aller­dings ohne Angabe von Ort und Uhr­zeit) habe ich gleich mal in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der geschaut … und erst mal nichts gefun­den! Man muss also wis­sen dass die Sit­zung in Heu­chel­heim statt­fin­det (oder alle Ein­träge durch­le­sen), um dann end­lich zu erfah­ren, dass die nächste Stadt­ver­or­de­ne­ten­ver­samm­lung am 18.03.09 um 20 Uhr im Dorf­ge­mein­schafts­haus Heu­chel­heim statt­fin­det.

    Auf die Frage von Veil­chen: Ja mehr Poli­tik, nicht nur Ter­mine, son­dern alle öffent­li­chen Pro­to­kolle der Gre­mien. Und Lebens­lauf und Bil­der der Stadt­ver­ord­ne­ten. Und etwas mehr Ser­vice, z.B. Down­load des aktu­el­len Abfall­ka­len­ders …

    Mar­tin

  3. Frank J. sagt:

    Ja, Du hast es gut auf den Punkt gebracht, Mar­tin: Man muss wis­sen, wo der Ter­min statt­fin­det, um ihn in der end­lo­sen Liste zu fin­den.

    Was momen­tan im Inter­net­auf­tritt der Stadt Rei­chels­heim als „Ver­an­stal­tungs­ka­len­der“ bezeich­net wird, ist viel eher ein Bele­gungs­plan der Bür­ger­häu­ser. Ich frage mich, ob in all den Jah­ren sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen nicht über die Benut­zer­freund­lich­keit der Web­sei­ten nach­ge­dacht wurde.

    -Frank

  4. Anke sagt:

    Hallo!

    hier noch ein Vor­schlag für die Wunsch­liste:

    Bür­ger­nähe durch ein „Arbeits­ta­ge­buch“ des Bür­ger­meis­ters im Inter­net. So wäre der Inter­es­sierte auf dem Lau­fen­den, was unse­ren Orts­vor­ste­her umtreibt - natür­lich nicht tages­ak­tu­ell son­dern ein monat­li­cher oder vier­tel­jähr­li­cher per­sön­li­cher Über­blick über seine Akti­vi­tä­ten.

    Einen Online-Abfall­ka­len­der ver­misse ich eben­falls!

    Viele Grüße,

    Anke

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