1. Juli 2009, von

Geschätzte Millionen

Es ist befriedigend zu sehen, wo überall die Wetterauer Weltbilder gelesen werden.  Vor ein paar Tagen fand ich eine Zuschrift aus Hongkong in meinem elektronischen Wetterauer Briefkasten:  Ein «Mr. Patrick K. W Chan.»  ist ein Fan dieses Blogs und schickte mir — begeistert wie er vermutlich war — einen interessanten Geschäftsvorschlag:

Prima Sache, so ein «Lukratives Geschдft Vorschlag».  Wenn alles klappt, wird er mir vermutlich 40 % von mehreren Millionen Dollar anbieten.  Ich überlege bereits, auf welcher Karibikinsel ich meinen Lebensabend verbringe.

Sie sind verwirrt?  Nun, dann sind Sie ein potentielles Opfer der sogenannten Nigeria Connection.  Zu dieser Verbrecherbande gehört Herr Chan ohne Zweifel.  Leute wie er versprechen Millionen — wenn man Ihnen einen Vorschuss zahlt.  Die Methode ist seit Jahren bekannt.  Ich frage mich und Sie:  Warum gehen immer noch jede Woche einige solcher eMails bei mir ein?  Wer fällt da noch drauf rein?  Nun, Leserinnen und Leser dieses Blogs ab jetzt nicht mehr, aber es gibt immer wieder Internet-Benutzer, die der Masche auf den Leim gehen.

Nicht nur österreichische Zeitungen berichteten im Februar 2009 über eine Salzburgerin, die auf diese Weise 350.000 Euro verlor.  Ein betrogener Tscheche erschoss 2003 in Prag den nigerianischen Botschafter aus Verärgerung über den Betrug durch dessen Landsleute.  Und auch bei uns in der Gegend haben die Betrüger schon reiche Beute gemacht — lesen Sie diesen Bericht der Polizeidirektion Wetterau aus dem Jahr 2005.  Man mag das kaum glauben — aber wozu Gier führt, können wir ja gerade in der aktuellen Finanzkrise erleben.  Die absurde Geschichte aus der Wetterau überrascht also nicht.

Ob ich «Patrick K. W Chan.» aus Spass antworte?  Was kann schon passieren, schliesslich ist ja «everything ьber diese Transaktion wird rechtlich ohne Haken».  Und wenn der dicke Batzen Dollarnoten eingegangen ist, berichte ich zukünftig vom Strand aus.  Eine Karibikinsel wäre bestimmt keine schlechte Wahl.  eMail kann man dort schliesslich auch empfangen.

-fj

Anmerkung:  Bei einer Recherche zum Thema Nigeria Connection, die ich vor vier Jahren durchführte, äusserte sich ein Vertreter des Auswärtigen Amtes dahingehend, dass die Machenschaften dieser Verbrecher allgemein bekannt seien.  Einer besonderen Aufklärung durch staatliche Stellen bedürfe es nicht.

ein Kommentar auf "Geschätzte Millionen"

  1. Markus sagt:

    eigentlich find ich das ganze ja recht lustig, wenn eben nicht so viel immer noch drauf reinfallen würden. besonders dreist find ich aber die aussage des auswärtigen amtes in deiner anmerkung.

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