7. Juli 2009, von

Ironman Frankfurt

Der Frankfurter Ironman findet zum grossen Teil nicht in Frankfurt statt:  Der Schwimmwettbewerb wird im Langener Waldsee südlich der Mainmetropole ausgetragen und die Fahrradstrecke verläuft lange Zeit durch die Wetterau bis nach Bad Nauheim — nun, immerhin wird in Frankfurt noch der Marathon gelaufen.  Wenn es nach Aufenthaltsdauer der Athleten im Landkreis oder um die anteilige Distanz ginge, dann müsste die Veranstaltung eher die Bezeichnung Wetterauer Ironman tragen.

Erinnerungen

Die Wetterau dürfte dem Odenwälder Falko-Holger Ostertag spätestens seit letztem Jahr gut bekannt sein.  Er kam als letztplatzierter Teilnehmer des Wettbewerbs ins Ziel — nach 15 Stunden, 58 Minuten, 31 Sekunden und weiteren fünf Zehnteln einer Sekunde.  Gutes Timing, denn nach 16 Stunden — also knapp 90 Sekunden später — wurde der Zieleinlauf geschlossen.

Ah, für alle, die keine Ahnung haben, was Herr Ostertag da so getrieben hat an jenem Sonntag im Juli 2008:  3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen sind die Disziplinen eines Ironman.  Und auch wenn man als durchschnittlicher Sofahocker, der schon vom Weg zum Zigarettenautomat so aus der Puste kommt, dass er lieber das  Auto verwendet anstatt die Beine zu bewegen, es nicht glauben mag:  Falko-Holger Ostertag hat das alles am Stück erledigt, in eben jenen knapp 16 Stunden.

Ich hatte letztes Jahr die Gelegenheit, den Sportler mit dem gelben Trikot auf dem Fahrrad mit sich und der Strecke ringen zu sehen.  Schon vom blossen Zusehen bekam ich Muskelkater und Krämpfe.  Falko-Holger Ostertag ist so alt wie ich, Jahrgang 1958, und ich habe schon deshalb einen Höllenrespekt vor seiner Leistung.  Zeitweise schob er sein Rad sogar, aber nie sah ich ihn anders als lächelnd, wenn sich unsere Blicke begegneten.  Gut, es war vielleicht nicht das strahlendste Lächeln, manchmal war es sicher ein wenig gequält — aber er hatte es für mich übrig.

Chris McCormack, der Sieger von 2008, benötigte fast genau die Hälfte der Zeit von Herrn Ostertag, um ins Ziel zu kommen, doch das war für mich uninteressant.  Ich fuhr auf meinem Motorroller (dank freundlicher Polizisten, die ein Auge zudrückten) kurz vor dem Besenwagen mit, begleitete die Letzten auf der Radstrecke und das war Erlebnis genug.  Die strahlenden Sieger hatten bereits genügend Beifallspender gehabt — meinen Applaus hatten sie sicher nicht vermisst.  Das Gros der Fahrer war lange durch, die meisten Zuschauer gegangen, die Helfer an der Strecke nach endlosen Stunden des Herumstehens ungeduldig und die Wetterauer Strassen weitgehend schon wieder einsam, als der Letzte im Feld vorbei rollte — oder schob.

2009

Dieses Jahr sollte es zumindest teilweise anders werden.  Die grossen Stars der Szene interessierten mich wiederum nicht, aber ich wollte vom Start um 6:45 Uhr bis zum Ziel alle Disziplinen verfolgen.  So sah ich an diesem heissen 5. Juli 2009 weit mehr vom Leiden der Sportler als im Vorjahr.

Besonders auf der den Wettbewerb abschliessenden Marathonstrecke waren die Gesichter vielfach nicht mehr sehr gelassen.  Manchmal war da mehr zu erkennen als blosse Erschöpfung.  Die Blicke so mancher Sportler vermittelten mir den Eindruck, dass die Grenzen überschritten waren.

Abhilfe verschafften zumindest kurzzeitig die Erfrischungen in den Verpflegungszonen.  Helfer bemühten sich hier, durch laute und deutliche Ansage die Aufmerksamkeit der Athleten zu bekommen.  Der Grund war einfach:  Nicht jeder Sportler nahm nach über neun Stunden auf der Strecke noch vollständig wahr, was um ihn herum passierte.  Es war schon ein wenig zum Schmunzeln, wenn Sportler einen Becher mit Eiswürfeln über sich entleerten, und die erwünschte Abkühlung ausblieb, weil die Erfrischung auf den Boden purzelte.

Auch wenn man über diese Quälerei sicher kontrovers diskutieren mag — es sind beeindruckende Momente, die Emotionen der Sportler so hautnah erleben zu können.  Ein paar dieser Augenblicke finden Sie, liebe Leser, in der folgenden Fotostrecke.

Mehr zum Thema Ironman in Frankfurt folgt bestimmt in der nächsten Zeit — schauen Sie einfach wieder vorbei.  Dann werden Sie sowohl weitere Fotostrecken nicht verpassen, als auch meine Meinung, warum diese Veranstaltung nur in Frankfurt und eben doch nicht in der Wetterau daheim sein kann.

Und das alles vom Sofa aus, wenn Sie wollen.

-fj

PS. Wenn Sie es nicht erwarten können, mehr über das Thema zu erfahren, dann lesen Sie bereits jetzt Falko-Holger Ostertags Bericht vom Ironman 2006.

5 Kommentare auf "Ironman Frankfurt"

  1. Old Friend sagt:

    Hi Frank,

    so you are into sports-photography now. Some great shots, but
    somehow not quite your quality, to be honest. Maybe just a warm-up
    after a prolonged photography-abstinence? That was my feeling.

    But today’s article has a different ‚anmutung‘. It lets one sense a little
    of your true potential. A unique view, a (still faint) sparkle of true
    inspiration: the power to transform the perception to unbosom some
    hidden pulchritude in unexpected places and situations. I wish so much
    you can reconnect to your inner flow of true creativity that I became
    to expect from you as a source of inspiration. (Reads a little crazy,
    right? But it’s true: I think you are more kind of a poet than a ‚mere‘
    reporter.)

    Very sorry to do it quasi anonymously again, but someday the reason
    will become clear… (it’s just very friendly in spirit, be assured).

    – Old Friend

  2. Frank J. sagt:

    Old Friend wrote: „I wish so much you can reconnect to your inner flow of true creativity that I became to expect from you as a source of inspiration.“

    So, Old Friend, what would you suggest that I’d do?

    -Frank

  3. Old Friend sagt:

    Oh, I’m certainly not in the position to advise you in any way.
    It was only meant as a little word of encouragement — neither
    arrogance nor flattery.

    If anything I’d like to shout:

    „Stay hungry, stay foolish!“

    Maybe any further U.S. related projects? There’s just sooo much
    going on that needs to be uncovered… (Looking forward to your
    book!)

    Anyway, keep up the good work and show us the world as seen by you.

    – OF

  4. Andreas Möschl sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen – mach so weiter – echt klasse geschrieben und ge“knipst“ (entschuldige den „schnoddrigen“ Ausdruck).

    Andreas

  5. F-H. Ostertag sagt:

    Hallo, ich habe gerade heute per Zufall diesen Artikel gefunden (dank 123people). Ich finde ihn sehr gelungen und habe mich über ihn sehr gefreut. Aber besonders eines ist sehr richtig. Bei dieser Sache (diesem Sport) geht es um den Spaß und das erreichen des Ziels in guter Laune. It’s fun.

    Beste Grüße aus Mühltal,

    Falko-Holger Ostertag

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