29. Juli 2009, von

Rhinozebra

Seit dem Früh­ling kann man in der Wet­terau eine selt­same Krea­tur sehen:  Ein Rhi­no­ze­bra.  Vor­wie­gend treibt es sich in einem Heu­chel­hei­mer Gar­ten herum, wech­selt manch­mal sein Aus­se­hen ebenso wie den Namen und ist — ich kann es ver­si­chern — ein wirk­lich sehr fried­li­cher Bur­sche.

Wie das Rhinozebra in die Wetterau kam

Rhinozebra

Die beste Part­ne­rin von allen hatte das damals gol­den schim­mernde Wesen vor über zehn Jah­ren in Bad Soden ent­deckt.  Es stand auf dem Bür­ger­steig und selt­sa­mer­weise nahm nie­mand Notiz.  Dank ihres offen­sicht­lich gros­sen Her­zens (denn wie sonst könnte sie es mit mir aus­hal­ten) bekam es ein neues Zuhause auf einem Bal­kon in Frank­furt.

Nach dem Umzug in die Wet­terau blühte der Dick­häu­ter dann rich­tig auf:  Schon im ers­ten Win­ter stan­den ihm die rote Weih­nachts­mann­hose und ein schi­cker Schal auf der end­lich wie­der grauen Haut ganz her­vor­ra­gend.

Zum Früh­jahr hin kamen dann Zwei­fel auf, ob es sich tat­säch­lich um einen Ihn oder doch viel­leicht um eine Sie han­delte:  Die  pep­pig-bunte Strand­hose für wär­mere Tage wurde durch ein femi­ni­nes Bolero-Jäck­chen ergänzt.  Viel­leicht war das aber auch nur ein iro­ni­scher Sei­ten­hieb auf wei­bi­sche spa­ni­sche Tore­ros, die in sol­chen Klei­dungs­stü­cken hel­den­haft andere Vier­bei­ner abmurk­sen?  Wahr­schein­li­cher ist aller­dings die Erklä­rung, dass gerade Kar­ne­val war — und der blaue Lid­strich Teil eines Faschings­kos­tüms.

Als es in die­sem Früh­jahr dann so rich­tig warm wurde, ver­wan­delte sich der Dick­häu­ter nach und nach in eine Kom­bi­na­tion aus Rhi­no­ze­ros und Zebra — und so steht bei uns seit­dem eben jenes Rhi­no­ze­bra vor dem Gar­ten­haus.

Abgekupfert

An ande­rer Stelle in die­sem Blog habe ich das Kon­zept vor­ge­stellt:  «Bes­ser gut abge­kup­fert als schlecht erfun­den.»  Dass ich nicht nur prak­ti­sche Rat­schläge vor­bringe, son­dern sie auch sel­ber befolge, belegt fol­gende Geschichte:

Holbeinpferd

Die Idee zu den wech­seln­den Erschei­nun­gen unse­res Gar­ten­be­woh­ners stammt aus Frei­burg im Breis­gau.  Dort ist es seit den Acht­zi­gern zu einem Brauch gewor­den, eine Pfer­de­sta­tue — das soge­nannte Hol­bein-Pferd — farb­lich umzu­ge­stal­ten.  Das geschieht in der Regel in Nacht- und Nebel­ak­tio­nen, Anlässe sind oft tages­ak­tu­elle The­men loka­ler oder inter­na­tio­na­ler Art.  Manch­mal ist es aber auch nur eine ganz per­sön­li­che Ange­le­gen­heit, die jemand auf diese Art über­mit­teln oder bewäl­ti­gen will.

Ich habe in den acht Jah­ren, die ich in Frei­burg lebte, viele Varia­tio­nen des Pferds gese­hen.  Ori­gi­nelle Krea­tio­nen wur­den in der Tages­zei­tung ver­öf­fent­licht und es gab sogar einen Auf­se­hen erre­gen­den Rechts­streit um die immer wie­der anders­bunte Plas­tik:

Mat­thias Wol­pert ver­kaufte Post­kar­ten und Kalen­der von den bes­ten Gestal­tun­gen — und wurde des­we­gen von den Erben des Künst­lers ver­klagt.  Auf sei­ner Web­site holbein-pferd.de doku­men­tiert er den Fall und zeigt eine grosse Aus­wahl an Out­fits für den ste­hen­den Galop­per.

Wie berühmt das Tier mitt­ler­weile ist, mag die Tat­sa­che bele­gen, dass man bei Google Maps den Begriff «Hol­bein­pferd» in das Such­feld ein­ge­ben kann — und direkt an den rich­ti­gen Ort in Frei­burg gelotst wird:  Wenn Sie in der gröss­ten Ansicht genau hin­schauen, kön­nen Sie den — hier zufäl­lig blauen — Sockel mit­ten auf dem Rasen gut erken­nen.

Tja, so berühmt wird die von einem Tau­nus­be­woh­ner vor ein paar Jah­ren auf den Sperr­müll gestellte Figur nicht wer­den, aber immer­hin:  Ins Inter­net hat sie es nun geschafft.  Und viel­leicht taucht sie dort in den nächs­ten 30 Jah­ren ja auch immer mal wie­der in einem neuen, schi­cken Gewand auf?

-fj

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¹ Lizenz: Crea­tive Com­mons, Details sind bei der Ursprungs­da­tei (de.wikipedia.org) zu fin­den

 

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