2. Oktober 2009, von

SSSSicherheit beim Fliegen

Vor eini­gen Mona­ten, Flug­ha­fen Los Ange­les, auf dem Weg nach Cal­gary, Kanada.  Ich che­cke ein, betrachte meine Bord­karte und ent­de­cke sofort die vier ver­trau­ten Buch­sta­ben:  SSSS.

SSSSSchon etwas län­ger ist mein Name auf einer schwar­zen Liste der Trans­por­ta­tion Secu­rity Admi­nis­tra­tion (TSA) ver­zeich­net.  Diese Orga­ni­sa­tion ist für die Sicher­heit der Flug­ab­fer­ti­gung in den USA zustän­dig.  Seit ich auf die­ser Liste bin (deren Exis­tenz natür­lich geleug­net wird), werde ich auf allen US-Flug­hä­fen als poten­ti­el­les Sicher­heits­ri­siko betrach­tet (siehe auch: Furcht oder Hoff­nung).

Der ent­wür­di­gende Pro­zess, vor aller Augen einer Spe­zi­al­pro­ze­dur unter­zo­gen zu wer­den, stört mich noch nicht ein­mal beson­ders.  Es ist viel­mehr zu begrüs­sen, dass Vor­keh­run­gen exis­tie­ren, die die Sicher­heit beim Flie­gen erhö­hen.  Genau hier aber habe ich meine Zwei­fel:  Erhöht diese Mass­nahme tat­säch­lich die Sicher­heit?

Für jeden, der die­ser zusätz­li­chen Kon­trolle unter­zo­gen wer­den soll, ist dies bereits am Check-in-Schal­ter ersicht­lich:  Die vier gros­sen S pran­gen gut sicht­bar auf der Bord­karte, zum Teil wer­den sie noch beson­ders mar­kiert.  Ein­mal ange­nom­men, ich hätte tat­säch­lich Böses vor und Spreng­stoff im Hand­ge­päck — ver­liesse ich nicht schleu­nigst den Flug­ha­fen, anstatt mich und meine Habe sorg­fäl­tig fil­zen zu las­sen?

Nun, es drängt sich der Ein­druck auf, dass man in den USA annimmt, Ter­ro­ris­ten seien der­mas­sen däm­lich, dass sie eine so plump ange­kün­digte Extra-Kon­trolle nicht bemer­ken.  Ich finde beim bes­ten Wil­len keine andere Erklä­rung.  Haben Sie eine?

Die Kon­trolle selbst wird dann eher nach dem Zufalls­prin­zip durch­ge­führt — und nicht etwa kon­se­quent und sorg­fäl­tig.  Dies­mal reist die beste Part­ne­rin von allen mit mir und so erhält auch sie diese zwei­fel­hafte Aus­zeich­nung auf ihrem aus­ge­druck­ten Abschnitt.  Meine Arm­band­uhr wird auf explo­sive Sub­stan­zen unter­sucht, die der bes­ten Part­ne­rin von allen aber nicht.  Immer­hin ist der mich unter­su­chende Mann mit genug Ver­stand aus­ge­rüs­tet, um auf meine sicher leicht grum­melnde Frage, warum es seit eini­ger Zeit immer mich trifft, augen­zwin­kernd zu bemer­ken:  Er sei ange­wie­sen zu behaup­ten, dass es sich um eine zufäl­lige Aus­wahl handle.  Als sich unsere lächeln­den Bli­cke tref­fen, wis­sen wir beide:  Weder er noch ich glau­ben das.

Anflug auf New York CityMan mag viel­leicht geteil­ter Mei­nung sein über die heu­ti­gen Pro­ze­du­ren zur Erhö­hung der Flug­si­cher­heit — aber ich emp­finde es irgend­wie auch als Belei­di­gung mei­ner Intel­li­genz, dass man mir als poten­ti­el­lem Ter­ro­ris­ten zutraut, die­sen Vor­gang nicht rich­tig ein­zu­schät­zen.  Ande­rer­seits ist mir das Den­ken sol­cher «Sicher­heits­ex­per­ten» so fremd, dass ich nicht ein­mal sagen kann, ob die mei­nen Ansatz über­haupt ver­ste­hen.

Aber ich will nicht hoch­nä­sig sein, denn nicht nur in den USA, son­dern auch bei uns sind die Sicher­heits­be­stim­mun­gen (oder ihre Durch­füh­rung) im Flug­ha­fen­be­reich nicht viel weni­ger absurd:  Nach­dem man seine Nagel­schere bei der Sicher­heits­kon­trolle des Hand­ge­päcks zurück­las­sen musste — kauft man sich im nächs­ten Flug­ha­fen-Shop ein­fach eine neue.

Das glau­ben Sie nicht?  Mir ging’s nicht viel anders, als ich das sah — aber meine Augen täusch­ten mich nicht:  Auf dem Flug­ha­fen Frank­furt kann man im Abflug­be­reich für Flüge in die USA tat­säch­lich eine Nagel­schere kau­fen.  Muss man da nicht ein Ver­se­hen ver­mu­ten?  Nein, ein mir bekann­ter Luft­hansa-Mit­ar­bei­ter bestä­tigte, dass der Ver­kauf der Sche­ren tat­säch­lich ord­nungs­ge­mäss ist.

Da es keine wei­te­ren Kon­trol­len mehr gibt, wird man die soeben erwor­bene Schere zwangs­läu­fig im Hand­ge­päck mit an Bord neh­men — und sich mit bes­ter Qua­li­tät aus Solin­gen die Zehen­nä­gel in Reihe 42, Sitz F zu schnei­den.  Der Sitz­nach­bar auf Platz E wird das nicht mögen, ein Sche­ren­her­stel­ler wie Zwil­ling dage­gen sehr:  Das Schnei­de­werk­zeug bei den Sicher­heits­leu­ten abge­ben, dann 100 Meter wei­ter wie­der eines kau­fen — das stei­gert den Umsatz.

Fliegen: Essen an BordVer­mut­lich als Sicher­heits­aus­gleich bie­tet die Luft­hansa bei der Ein­nahme der Mahl­zei­ten an Bord dann aber Mes­ser an, die jeden Gewalt­tä­ter zur Ver­zweif­lung trei­ben:  Nicht ein­mal ein Bröt­chen lässt sich damit schnei­den.

Womit wir bei der gröss­ten Bedro­hung in der Luft­fahrt wären:  Dem Essen in der Eco­nomy-Klasse.  Ich nehme an, dass irgend­wann ein­mal ein Flug­zeug­ent­füh­rer mit genau so einem Luft­hansa-Bröt­chen seine For­de­rung durch­set­zen, anstands­los nach Kuba geflo­gen und noch Mei­len im Viel­flie­ger­pro­gramm kas­sie­ren wird.  Oder neh­men Sie an, dass ein Pilot statt des klei­nen Umwegs lie­ber diese unver­dau­li­chen Papp­ma­ché-Din­ger ver­drü­cken möchte?

-fj

ein Kommentar auf "SSSSicherheit beim Fliegen"

  1. Waechter sagt:

    Kom­pli­ment, kann bei vie­len Din­gen ein­fach nur zustim­men. Das mit der Nagel­schere ist schon absurd, genauso wie die Tat­sa­che, dass man nur 8kg Hand­ge­päck mit in das Flug­zeug neh­men darf, sich wie­derum im Tra­velVa­lue (Duty­Free) aber Liter­weise mit 1L Fla­schen Alko­hol ein­de­cken darf. (im Mai wurde in Wien sowie FFM behaup­tet bis zu 70Liter!!!) (sogar vom ZOLL in FFM bekam ich diese Aus­sage).

    Soviel dazu. Und mit einem Streich­holz oder Feu­er­zeug kann man damit dann auch ein wenig Spaß haben. Wenn man weiß wie.

    Dass du mit SSSS mar­kiert bist, hat doch einen Hin­ter­grund, darf man erfra­gen wel­chen?

    Gruß

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