7. November 2009, von

Geschmacksabenteuer

Auf unse­rer Ara­bia-Tour wer­den wir durch viele Län­der kom­men und uns dort auch ver­sor­gen.  Das schon allein ist ein klei­nes Aben­teuer, ins­be­son­dere wegen feh­len­der Sprach­kennt­nisse.  Ver­mut­lich wer­den wir so man­ches Mal über­rascht sein.

Ein­fach war es in Ungarn:  Hier kau­fen wir eine köst­li­che Wurst — was auch sonst.  Mit einem Glas unga­ri­schen Rot­wein und Brot ergibt das eine herr­li­che Abend­mahl­zeit.

Unter­wegs sehen wir nicht nur in Ungarn viele bekannte große Märkte:  Real, Penny und Lidl gibt es auch in Rumä­nien.  Da unser Vor­rat an rumä­ni­schen Lei für einen grös­se­ren Lebens­mit­tel­kauf zu knapp ist, gehe ich in einem die­ser Super­märkte ein­kau­fen.  Das Ange­bot ist nahezu iden­tisch mit dem bei uns in Deutsch­land.  Man­che Pro­dukte jedoch, wie zum Bei­spiel unsere süsse Schlag­sahne, finde ich hier nicht.  Ich kaufe etwas, das mit «Sana» bezeich­net und neben der Milch ein­sor­tiert ist.  Spä­ter finde ich her­aus, dass es sich um lecke­ren Sauer­rahm han­delt, und ich plane mein abend­li­ches Koch­vor­ha­ben um.

Über­rascht haben mich die Por­tio­nen:  Das Ange­bot rich­tet sich hier in Rumä­nien ver­mut­lich vor­wie­gend an Groß­fa­mi­lien.  So komme ich man­gels rumä­ni­scher Sprach­kennt­nisse zu einem gro­ßen Stück trans­sil­va­ni­schen Specks und nicht zu den eigent­lich gewünsch­ten 200 Gramm.  Viel­leicht lag das aber auch an mei­ner fal­schen Ges­tik?  In Bul­ga­rien ist Kopf­schüt­teln eine bestä­ti­gende Geste, viel­leicht auch in Rumä­nien?

Der auf der Ban­de­role abge­bil­dete Metz­ger schaut ernst, dabei hätte er allen Grund zum Lächeln:  Der Speck ist der Ren­ner bei unse­ren Brot­zei­ten und wir freuen uns über die unfrei­wil­lig große Por­tion.

In Rumä­nien feh­len wohl vie­len Men­schen Geld und Zeit, um ihr Anwe­sen mit Blu­men zu schmü­cken.  Es wirkt schein­bar unauf­ge­räumt und meine Augen müs­sen sich daran erst noch gewöh­nen.  Für eine Mit­tags­pause ste­hen wir in einem Dorf neben so einem klei­nen Hof.  Um das Wohn­mo­bil lau­fen Hüh­ner, Gänse, Puten und Trut­hähne.  Eine alte Bau­ers­frau kommt aus einem Hof her­aus und schenkt uns Äpfel und Kuchen.

In Bul­ga­rien fah­ren wir über Land­stras­sen und -sträss­chen, fin­den hier aber keine der gros­sen Lebens­mit­tel­märkte, in denen wir bar­geld­los ein­kau­fen kön­nen.  Doch es hat durch­aus sein Gutes:  Im Ver­gleich zu Rumä­nien liegt weit­aus weni­ger Müll am Stras­sen­rand.  Gibt es hier etwa einen Zusam­men­hang zwi­schen gros­sen Märk­ten und Plas­tik­müll?

Aber auch ohne Super­markt kom­men wir ganz uner­war­tet in den Genuss loka­ler Pro­dukte.  Wir wer­den ein­ge­la­den (siehe: Wet­ter­auer Kar­tof­feln auf dem Bal­kan) und dür­fen herz­lichste Gast­freund­schaft erle­ben.

In der Tür­kei ist süs­ser, star­ker Tee in einem Tee­haus neben der Moschee das erste tür­ki­sche Geschmacks­er­leb­nis.  Wir wer­den von den Män­nern dort ein­ge­la­den.  Tou­ris­ten ver­ir­ren sich sel­ten in das kleine Dorf Ahi­meh­met.

Spä­ter in Istan­bul trin­ken wir köst­li­chen, cre­mi­gen, tür­ki­schen Kaf­fee.  Über­all lockt ein reich­hal­ti­ges Essen­an­ge­bot, natür­lich sind auch die uns bekann­ten Döner in den ver­schie­dens­ten Varia­tio­nen dabei.  Im Ägyp­ti­schen Basar kau­fen wir Pastir­masi, ein Dörr­fleich in einem fast cre­mi­gen Gewürz­man­tel.  Es wird hauch­dünn auf­ge­schnit­ten.  Dazu erste­hen wir Börek, eine Art Lasa­gne, mit Teig­blät­tern (Yufka?) und Käse, das Ganze im Ofen über­ba­cken.

Auf einer Bank vor der neuen Moschee set­zen wir uns, um unse­ren Hun­ger zu stil­len.  Eine Gruppe paki­sta­ni­scher Tou­ris­ten neben uns beäugt den Imbiss neu­gie­rig.  Für sie ist das Essen in Län­dern fernab der Hei­mat ver­mut­lich ebenso aben­teu­er­lich wie für uns.

In Istan­bul essen wir übri­gens die letz­ten schwe­di­schen Pepp­arka­kor, die wir von daheim mit­ge­bracht haben.  Diese Kekse sind ein knusp­ri­ges, weih­nacht­li­ches Gebäck, das ein schwe­di­sches Möbel­haus ganz­jäh­rig anbie­tet.  Sie beglei­te­ten uns fast unan­ge­tas­tet die fast 3000 Kilo­me­ter nach Istan­bul.  Jede Region bringt die dafür geeig­ne­ten Lebens­mit­tel her­vor.  Dem Klima des Mar­ma­ra­meer hal­ten die Pepp­arka­kor nicht stand.  Sie sau­gen die Feuch­tig­keit auf wie Schwämme.  Die feh­lende Knusp­rig­keit hat jedoch einen Vor­teil:  Sie krü­meln nicht mehr und sind jetzt wohn­mo­bil­taug­lich.

In mei­nem Arti­kel Kuchen­un­fall ver­rate ich die große Schwä­che mei­nes Part­ners: Scho­ko­lade.  Der Ori­ent ist für die­ses Nasch­werk aller­dings nicht berühmt und je wei­ter wir gen Osten kom­men, desto sel­te­ner fin­det man scho­ko­la­dige Süs­sig­kei­ten.  Hier wer­den Tro­cken­früchte, Lecke­reien aus Frucht­säf­ten (Lukum), Honig und aus Nüs­sen genascht.  Ein Scho­ko­ho­li­ker und Tro­cken­früch­te­all­er­gi­ker reist wohl bes­ser in die Schweiz.

Im «Grand Bazar» in Istan­bul erkläre ich einem Süß­wa­ren-Ver­käu­fer die Ange­le­gen­heit.  Er nimmt mei­nen Part­ner mit in das Laden­in­nere und bie­tet ihm eine Kost­probe zur Lösung des Pro­blems:  Eine Art Lukum aus Honig mit einer Pis­ta­zie, umhüllt von Scho­ko­lade.  Der Test über­zeugt mei­nen Part­ner und wir kau­fen eine kleine Menge davon.

Nach eini­gen Tagen steht diese Tüte immer noch fast unan­ge­tas­tet im Wohn­mo­bil-Kühl­schrank.  Für mich das Zei­chen:  Ent­we­der Ver­gess­lich­keit oder die Süßig­keit ist dann doch nicht ganz die Rich­tige.  Lei­der trifft Letz­te­res zu.  Für den Scho­ko­ho­li­ker an mei­ner Seite wer­den die kom­men­den Monate mit wenig oder viel­leicht ganz ohne Scho­ko­lade bestimmt eine gro­ßes Aben­teuer wer­den.

-af

Eine Über­sicht über alle Ara­bia-Arti­kel ist hier zu fin­den:

2 Kommentare auf "Geschmacksabenteuer"

  1. Hallo,
    mit Inter­esse ver­folge ich die Reise.
    Im Februar waren wir im Oman, es hat uns sehr gut gefal­len.
    Nächste Woche wollte ich nach Buka­rest flie­gen, lei­der musste das abge­sagt wer­den.
    Dafür sind meine Frau und ich am 5.12.09 in Istan­bul.
    Alles natür­lich mit dem Flie­ger (lei­der). Ihre Reise finde ich da wesent­lich inter­es­san­ter.
    Wei­ter­hin viel Glück und vor allem Gesun­de­heit.

    Die­ter Stem­mer Orten­berg

  2. Susanne Namaschk sagt:

    Hallo Anke, hallo Frank,

    fast wie Weih­nach­ten: Ein neuer Ein­trag in den Wet­ter­auer Welt­bil­dern!

    Eure Reise hört sich so span­nend und inter­es­sant an. Ich finde es schön, auf diese Art „daran teil­ha­ben“ zu kön­nen.

    Bleibt gesund und mun­ter,
    viele liebe Grüße
    Susanne

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