25. Dezember 2009, von

Ibn Saids Erkenntnis

Ibn Said lebte in der gros­sen, heis­sen Stadt zwi­schen den Kon­ti­nen­ten.  Er ging dem ehr­ba­ren Gewerbe eines Schuh­put­zers nach, hatte den Beruf von sei­nem Vater ebenso über­nom­men, wie den reich ver­zier­ten Stand mit glän­zen­den Metall­be­schlä­gen, den Dosen, Tuben und Bürs­ten sowie dem gepfleg­ten Werk­zeug.  Schnür­bän­der aller Far­ben und Län­gen konnte man bei ihm erste­hen, ebenso wie Gum­mi­soh­len bes­ter Qua­li­tät.

Er hatte sei­nen fes­ten Platz im alten Bazar, kannte alle ande­ren Händ­ler in der Nach­bar­schaft und trank in Frie­den sei­nen Tee mit ihnen.  Wäh­rend sei­ner Arbeit hielt er mit sei­nen Stamm­kun­den gerne einen Plausch, man tauschte die neu­es­ten Nach­rich­ten aus und es ging ver­traut und fast gemüt­lich zu.  Drei Pias­ter kos­tete es, wenn Ibn Said ein Paar Schuhe putzte.  Er lebte nicht in Armut und war es zufrie­den.

Sein liebs­ter Kunde war ein alter Mann, der jeden Abend zu ihm kam und seine Schuhe für den nächs­ten Tag mit Glanz ver­se­hen liess.  Wäh­rend Ibn Said putzte, cremte und polierte, was seine Bürs­ten, Tuben und Tücher her­ga­ben, erzählte der alte Mann ihm aus sei­nem Leben.  Es waren meist wun­der­same Geschich­ten, die Ibn Said sich oft kaum erklä­ren konnte — doch er lauschte gebannt.  Am bes­ten gefie­len ihm die Erzäh­lun­gen aus frem­den Län­dern, von Din­gen, die er nicht kannte.  Der alte Mann erzählte von gros­sen Wäl­dern, Men­schen in gemüt­li­chen Häu­sern und von — Schnee.  Noch nie hatte Ibn Said Schnee gese­hen und er konnte sich nicht so recht vor­stel­len, was das sein sollte.  Doch er liebte diese Minu­ten kurz bevor der Bazar seine gros­sen Holz­tore schloss.  Für nichts in der Welt würde er diese Momente her­ge­ben — und er ver­langte von dem alten Mann nur den hal­ben Preis für seine Arbeit.

Im Laufe der Jahre aber wan­delte sich der Bazar.  Fremde kamen, Rei­sende aus vie­len Län­dern, sie waren wohl­ha­bend und Kame­ras bau­mel­ten um ihre Hälse.  So man­cher alte Händ­ler ver­kaufte sei­nen Stand und an ihrer Stelle kamen meist junge Leute, die den Frem­den statt nütz­li­cher oder schö­ner Dinge wert­lo­sen Tand für viel Geld anbo­ten.  Schon bald fuhr der erste der neuen Händ­ler mit einem schi­cken Auto vor.  Ibn Said bemerkte erschro­cken, dass seine Bli­cke ein wenig nei­disch waren.

Es dau­erte nicht lange, da woll­ten auch die ande­ren Händ­ler im Bazar nur noch an die Frem­den ver­kau­fen.  Zu ver­lo­ckend war der Gewinn, denn diese selt­sa­men Men­schen zahl­ten fast jeden gefor­der­ten Preis.  Ibn Said über­legte, wie er es anstel­len sollte, dass auch er an das Geld die­ser Frem­den kom­men könnte.  Zwar blieb fast jeder ste­hen und schaute ihm bei sei­ner Arbeit zu, doch die Schuhe liess sich fast nie­mand put­zen.

Eines Tages fuhr wie­der ein­mal einer der neuen Besit­zer eines Nach­barstands mit einem schi­cken Auto vor.  Als er aus­stieg, ver­lor er ein sei­de­nes Tuch, das in sei­ner Jacken­ta­sche steckte.  Einer der vie­len Frem­den sprang hinzu, hob das Tuch auf und lief dem Mann nach.  Der Fremde war auf­fäl­lig dun­kel geklei­det, trug einen Hut mit brei­ter Krempe, einen lan­gen Man­tel und seine Schuhe waren schwarz mit einer schim­mern­den, grü­nen Schnalle.  «Freund­lich sind sie, diese Leute», dachte Ibn Said und war froh, als der Mann kurze Zeit spä­ter an sei­nen Stand kam und sich die Schuhe mit den grü­nen Schnal­len put­zen liess.

Ibn Said kam plötz­lich ein Gedanke:  Könnte er nicht von die­sem Frem­den sechs statt der übli­chen drei Pias­ter ver­lan­gen?  Doch er besann sich:  Schliess­lich war er ein ehr­li­cher Schuh­put­zer.  Zu sei­ner Über­ra­schung legte ihm der Fremde unge­fragt sechs Pias­ter in die Schale und ging ohne Gruss sei­nes Wegs.  Als er das Geld ein­steckte, begann Ibn Said zu grü­beln.  Für den Rest des Tages war er abge­lenkt.  Kurz vor dem Abend sah ihn der Geschich­ten­er­zäh­ler prü­fend an, als er wie ver­lo­ren sei­ner Arbeit nach­ging, ohne den Geschich­ten zu lau­schen.  Der Schuh­put­zer fühlte sich nicht gut, als er schliess­lich nach Hause ging.  Ruhe­los ging er daheim auf und ab — bis er einen Ein­fall hatte:  Er zim­merte einen arm­se­li­gen Kas­ten, bestückte ihn mit bil­li­gen Creme­do­sen und einer alten, abge­nutz­ten Bürste.  Damit würde er los­zie­hen und viele Pias­ter ver­die­nen!

Am nächs­ten Mor­gen ging Ibn Said nicht zu sei­nem schö­nen Schuh­putz­stand, son­dern lun­gerte mit der arm­se­li­gen Holz­kiste auf dem gros­sen Platz vor dem Bazar herum.  Als er einen der Frem­den ent­deckte, kreuzte er des­sen Weg und liess seine Bürste wie zufäl­lig vor des­sen Füsse fal­len.  Der Fremde hob die Bürste auf und trug sie Ibn Said eilig nach.  Ibn Said tat über­rascht, bedankte sich tau­sen­und­ein­mal, schüt­telte die Hand sei­nes freund­li­chen Wohl­tä­ters — und schon hatte er sich gebückt und einen Fuss des Frem­den auf sei­nen arm­se­li­gen Kas­ten gezerrt.

Der über­raschte Fremde zierte sich zwar, doch Ibn Said hielt den Fuss uner­bitt­lich fest.  Ohne viel Sorg­falt rei­nigte er die San­da­len des Frem­den und hin­ter­liess sogar einige dunkle Schuh­creme­strei­fen auf des­sen weis­sen Socken.  Wäh­rend­des­sen erzählte er ihm von sei­nem kran­ken Kind, den hohen Arzt­rech­nun­gen und der ver­stor­be­nen Frau.

Als er seine Arbeit been­det hatte, schaute er den Frem­den etwas ver­le­gen an.  Die­ser hatte bereits seine Geld­börse gezückt und gab ihm 30 Pias­ter.  Es hatte geklappt!  Ibn Said hatte in weni­gen Minu­ten mehr ver­dient, als sonst in vie­len Stun­den.  Auch der nächste Ver­such gelang und abends ging er beschwingt nach Hause.  Bald könnte er sich auch so ein Auto leis­ten!

Ibn Said lebte alleine, er hatte kein Kind und keine ver­stor­bene Frau — doch die Geschäfte lie­fen gut mit die­sen Lügen­ge­schich­ten.  Immer und immer wie­der liess er die alte Bürste fal­len und tischte den arg­lo­sen Frem­den sei­nen mit­leid­erre­gen­den Schwin­del auf.  Wenn ein­mal jemand nicht zah­len wollte, dann wurde er ein wenig zudring­lich und die meis­ten gaben ihm dann doch etwas, um ihn los­zu­wer­den.  Wohl fühlte sich Ibn Said dabei nicht — wenn er aber abends seine Ein­nah­men zählte, dann träumte er von sei­nem Auto und ver­gass das schlechte Gefühl.  Dass er seine Freunde aus dem Bazar kaum noch sah und die ver­trau­ten Kun­den ver­lo­ren hatte, daran erin­nerte er sich nur sel­ten.  An den alten Mann dachte er zwar ab und zu, manch­mal auch etwas weh­mü­tig, aber dann ermahnte ihn eine uner­bitt­li­che innere Stimme, dass er ihm die Schuhe für den hal­ben Preis geputzt hatte.  Ibn Said dachte an das viele Geld, das er jetzt statt­des­sen ein­nahm — und ver­gass den alten Mann schnell wie­der.

So ver­gin­gen viele Wochen und es wurde Win­ter.  An einem beson­ders dunk­len Tag wollte Ibn Said frü­her nach Hause.  Zu gars­tig war das Wet­ter, es reg­nete, war ungewِöhnlich kalt und win­dig.  Nur wenige Fremde waren unter­wegs.  «Einen Ver­such noch, dann mache ich für heute Schluss», sagte sich Ibn Said.  Dort drü­ben ging ein ein­zel­ner Mann, mit Hut und Man­tel war er gut als Frem­der aus­zu­ma­chen.  Die Bürste fiel ihm direkt vor die Füsse.  Ibn Said ging wie immer ruhig wei­ter, als hätte er nichts bemerkt.

Die Hand auf sei­ner Schul­ter fühlte sich irgend­wie kalt an.  Der Schuh­put­zer drehte sich um wie immer, den ein­stu­dier­ten über­rasch­ten und dank­ba­ren Gesichts­aus­druck parat — doch er konnte das Gesicht des Frem­den nicht erken­nen.  Zu dun­kel war es und die breite Hut­krempe warf einen lan­gen Schat­ten.  Irgend etwas war anders, aber Ibn Said konnte sich nicht erklä­ren, was es war.

«Guten Abend», sagte der Mann mit tie­fer Stimme.  «Du brauchst mir nicht die Schuhe zu put­zen, ich gebe Dir auch so Geld.  Viel Geld, wenn Du willst.»  «Guten Abend», stot­terte Ibn Said.  Er war über­rascht.  Woher wusste der Fremde das?  Hatte er ihn bereits vor­her ein­mal her­ein­ge­legt?  «Ich habe wohl meine Bürste ver…»

«Nein, Du hast sie nicht ver­lo­ren, aber das ist mir gleich.»  «Was wol­len Sie von mir?  Ken­nen Sie mich?» fragte Ibn Said unsi­cher.  «Natür­lich kenne ich Dich, denn Du hast bereits Deine Seele an mich ver­kauft.  Du willst ein schi­ckes Auto?  Du sollst es bekom­men — unter einer Bedin­gung.»  «Was soll das für eine Bedin­gung sein?» fragte Ibn Said ein wenig zu gie­rig.

«Bringe mir den alten Mann, den Geschich­ten­er­zäh­ler.»  «Brin­gen?» fragte Ibn Said.  «Wohin soll ich ihn brin­gen — und was wol­len Sie von ihm?»  «Du bringst ihn mir, indem Du ihm heute Abend mit die­ser Bürste die Schuhe putzt.  Was ich dann mit ihm mache, ist meine Sache.»  Ibn Said sah bei die­sen Wor­ten ein Glim­men im Gesicht des unheim­li­chen Frem­den.

«Und — ich bekomme ein Auto dafür?  Was ist, wenn ich es nicht mache?»  «Du wirst es machen und ein Auto bekom­men — und wenn Du willst noch viel mehr.  Wenn nicht, wirst Du alles ver­lie­ren, was Du Dir müh­sam erar­bei­tet hast.  Willst Du das?»  «Nein, natür­lich nicht», meinte Ibn Said has­tig.  «Dann bis nach­her — ich werde in Dei­ner Nähe sein!»

Es klap­perte höl­zern und die schä­bige alte Schuh­putz­bürste fiel vor Ibn Said auf den Boden.  Er bückte sich und konnte gerade noch ein paar schwarze Schuhe mit grü­nen Schnal­len unter dem lan­gen Man­tel erken­nen — dann war der Fremde ver­schwun­den.  Der Schreck sass dem Schuh­put­zer in den Glie­dern.  Er erin­nerte sich an den Mann, der ihm ein­mal den dop­pel­ten Preis fürs Schuh­put­zen gezahlt hatte!  Was sollte er tun?  Er blickte auf seine Bürste und sah dar­auf eine grüne Creme in der Dun­kel­heit leuch­ten.  Ein Schauer lief ihm den Rücken hin­un­ter.

Wie benom­men ging er in den Bazar, das erste Mal seit Wochen betrat er die ver­trau­ten Gänge.  Vie­les kam ihm fremd vor, doch den Weg zu sei­nem Stand fand er auto­ma­tisch.  Ohne nach­zu­den­ken baute er seine Dosen und Tuben auf, legte die alte Bürste dane­ben und setzte sich auf sei­nen Hocker.  «Was mache ich bloss?» fragte er sich ver­wirrt.  Da kam der alte Mann um die Ecke und lächelte Ibn Said an, als wäre er nicht wochen­lang fort gewe­sen.

«Salam alei­kum, mein Sohn, das Leder mei­ner Schuhe ist stumpf und könnte etwas Pflege gebrau­chen.»  Stumm und gelähmt vor Angst sass Ibn Said auf sei­nem Hocker.  Mit aller Kraft rang er sich ein schwa­ches Kopf­schüt­teln ab.  «Doch wie ich sehe», fuhr der alte Mann fort, «sind Deine Schuhe noch viel mat­ter als meine.  Weisst Du was?  Heute tau­schen wir ein­mal und ich putze Deine Schuhe.»  Viel zu geschwind für sein Alter hockte sich der Mann vor Ibn Said und griff sich des­sen rech­ten Fuss.  Ent­setzt ver­suchte der Schuh­put­zer, den Fuss weg­zu­zie­hen, doch der alte Mann umklam­merte ihn wie mit einer Eisen­hand.

Ibn Said wollte flie­hen, doch er konnte nicht.  Er sah sich hil­fe­su­chend um.  Hin­ter der nächs­ten Säule erblickte einen Schat­ten.  Sein Herz zog sich zusam­men:  Kein Zwei­fel, der Fremde sah ihnen zu.  Der alte Mann ergriff die Bürste und kal­ter Angst­schweiss floss Ibn Saids Rücken hin­un­ter.  Würde er jetzt alles ver­lie­ren?

«Hab keine Angst,» raunte ihm der Geschich­ten­er­zäh­ler zu, «es wird alles gut wer­den.»  Ibn Said sah, wie der alte Mann eine Tube aus der Jacken­ta­sche holte und dar­aus ein wenig helle Creme auf die Bürste strich.  In flin­ken Stri­chen schwang er die Bürste über die Schuhe — und im sel­ben Moment fiel alle Span­nung ab vom Schuh­put­zer Ibn Said.  Er erkannte, was gesche­hen war.  Lächelnd schaute er den alten Mann an.  Des­sen Augen blick­ten hell und weise.  «Nun, was hast Du ver­lo­ren?» fragte er.

«Ver­lo­ren habe ich mei­nen Beruf, meine Freunde, meine Ehre und meine Frei­heit — aber schon vor Wochen.  Gerade jetzt habe ich aber etwas gewon­nen: Erkennt­nis.  Mein Drang nach immer mehr Geld hat mich blind wer­den las­sen.  Du hast mir die Augen geöff­net.  Aber sag, wie hast Du das gemacht — und wer ist die­ser Fremde dort hin­ter der Säule?»  Ibn Said blickte in das Dun­kel, doch er konnte den Mann mit den Schnal­len­schu­hen nicht mehr sehen.

«Das ist nicht leicht zu erklä­ren, mein Sohn.  Es gibt da ein paar Dinge, die Du nicht von mir weisst.  Und das bleibt auch bes­ser so.  Doch soviel kann ich Dir sagen:  Der dunkle Fremde ist die Gier — und er ist mir nicht wohl geson­nen, denn immer wenn ich erzähle, ver­ges­sen ihn die Men­schen.  Mehr darf ich nicht ver­ra­ten.  Für Dich bleibe ich am bes­ten der Geschich­ten­er­zäh­ler — und Dein Freund, wenn Du willst.»

Ibn Said war froh, dass er auf­ge­wacht war aus sei­nem bösen Traum.  Wozu brauchte er ein Auto?  Er hatte Freunde und einen wun­der­ba­ren Beruf!  Es war spät gewor­den und der Schlies­ser an der gros­sen Holz­tür des Basars öff­nete ihm.  Ibn Said blieb ver­wun­dert ste­hen:  Der Wind hatte nach­ge­las­sen und die Luft glit­zerte hell vor ihm.  Das musste Schnee sein!  Vor­sich­tig trat er hin­aus und hِörte auf dem Heim­weg die weis­sen Flo­cken unter sei­nen Schu­hen knir­schen.

Daheim machte er ein Feuer an und ver­heizte den arm­se­li­gen Schuh­putz­kas­ten, mit dem er die Men­schen betro­gen hatte.  Als er in die Glut blickte, wurde ihm warm ums Herz.

-fj

 

Eine Über­sicht über alle Ara­bia-Arti­kel ist hier zu fin­den:

5 Kommentare auf "Ibn Saids Erkenntnis"

  1. Hans sagt:

    Hallo Anke und Frank,

    herz­li­chen Dank für den sehr net­ten Weih­nachts­gruß!

    Der Bericht von eurer Reise klingt wirk­lich sehr span­nend und benei­dens­wert. (Ich bin heute den ers­ten Tag nach den Ferien wie­der im Büro…) Wenn ihr auf eurer Reise in diese ent­le­ge­nen Win­kel oft ein­ge­la­den wer­det, bekommt ihr sicher auch mal etwas vor­ge­setzt das schwer genieß­bar ist, zumin­dest für uns ver­wöhnte West­eu­ro­päer. Wir haben damals in Usbe­ki­stan immer nach dem Essen brav einen Vodka getrun­ken, das hat gehol­fen! (Der dor­tige Prä­si­dent herrscht sehr rigide und schränkt u.a. den Islam ein; außer­dem wir­ken alte sovie­ti­sche Gewohn­hei­ten nach, wes­halb Alko­hol dort unschwer zu bekom­men ist…)

    Ich wün­sche euch noch viele tolle Geschich­ten und eine schöne Reise! Bis bald,

    euer Hans

  2. Ein wun­der­ba­res moder­nes Mär­chen. Ich danke Ihnen dafür. Ich hatte dabei den Gewürz­ba­sar von Instan­bul vor Augen und konnte mir alles genau aus­ma­len. Die schwarze Gestalt mit Hut und Man­tel erin­nerte mich sehr an die „grauen Män­ner“ in Michael Endes Momo, was letzte Woche wie­der ein­mal im Fern­se­hen zu sehen war. Es ist ja auch eine ähn­li­che Moral, die hin­ter bei­den Geschich­ten steht.

    Lei­der glaube ich, dass es nicht mehr viele Orte auf die­ser Welt gibt, an denen man noch Men­schen wie den alten Schuh­put­zer fin­den kann. Im Oman, da kann man sie manch­mal noch fin­den. Im Jemen fin­det man sie in jedem Ort. Mich würde inter­es­sie­ren, wie Ihre Route wei­ter geht. Haben Sie wei­ter­hin vor, durch den Jemen zu fah­ren?

    Ich wün­sche Ihnen wei­ter­hin viel Glück, bei die­ser wun­der­ba­ren Ara­bi­en­reise.
    Salam!

  3. Anke F. sagt:

    Lie­ber Hans,

    bis­her haben wir nichts geges­sen, was uns Pro­bleme berei­tet hät­tet. Und ich bin nicht sehr zurück­hal­tend, was das Pro­bie­ren anbe­langt. Ein­mal pro­bierte ich etwas, was mir über­haupt nicht schmeckte. Da man mich erwar­tungs­voll anschaute, wie mir dies nun schmeckt, musste ich es schlu­cken, obwohl ich es viel lie­ber aus­ge­spuckt hätte.

    Kürz­lich tran­ken wir im Oman frisch gemol­kene, leicht gesal­zene warme Zie­gen­milch und haus­ge­mach­tes Laban (Trink­jo­ghurt). Auch Kamel stand schon auf unse­rem Spei­sen­plan.

    Schnaps ist für uns nicht sicht­bar, es sei denn, wir gehen in Hotel­bars, die jedoch nicht in unse­rem Focus ste­hen.

    Gru­esse aus Mus­kat,

    Anke und Frank

  4. Frank J. sagt:

    Hallo Frau Jöris­sen,

    ich freue mich, dass Sie unsere Reise ver­fol­gen. Wie bereits an ande­rer Stelle erwähnt, haben wir zu sel­ten Inter­net-Zugang (und auch zu wenig Zeit dafür), um alle Fra­gen zu beant­wor­ten. Des­halb kommt erst heute eine Ant­wort auf Ihre Frage …

    Die Fahrt durch den Jemen haben wir gestri­chen, zu unsi­cher ist die Situa­tion dort momen­tan. Dabei meine ich nicht die Sicher­heits­lage — ich glaube, dass die sich nicht bedeu­tend ver­än­dert hat gegen­über dem Beginn unse­rer Reise (und in die Kri­sen­re­gio­nen wären wir sowieso nicht gefah­ren). Viel­mehr ist das Risiko für uns zu gross, dass wir in Sana’a (Jemen) die Visa (das ist für die Route auf dem Land­weg kom­pli­zier­ter als ich hier beschrei­ben kann) für Saudi-Ara­bien oder Jor­da­nien nicht bekom­men (weil eine Bot­schaft geschlos­sen ist oder gar die Grenze). Der Weg zurück über den Oman und die Emi­rate wäre ewig lang und beschwer­lich — und wir müs­sen Ende März zurück sein …

    Zudem ist es unklar, ob wir im Jemen über­haupt rei­sen kön­nen. In Sala­lah (Oman) tra­fen wir einen Aus­tra­lier, der von Sana’a nach Sala­lah flie­gen musste, weil er keine Rei­se­er­laub­nis für die Route bekam. Nun, er war zwar mit dem Fahr­rad unter­wegs (und mit der heute im Jemen übli­chen Poli­zei-Eskorte könnte das zu Pro­ble­men füh­ren), doch könnte uns mit dem Wohn­mo­bil nicht Ähn­li­ches pas­sie­ren?

    So sind wir jetzt auf dem viel lang­wei­li­ge­ren Rück­weg über die Emi­rate und Saudi-Ara­bien (denn einen offe­nen Grenz­über­gang zwi­schen dem Oman und Saudi gibt es nicht) und grei­nen ein wenig dar­über, nicht im Jemen rei­sen zu kön­nen. Aber das ergibt sich viel­leicht ein ande­res Mal in die­sem Leben.

    Meint

    Frank Jer­mann

  5. Hallo Herr Jer­mann,

    Sie haben bestimmt Recht mit Ihrer Ein­schät­zung der Rei­se­mög­lich­kei­ten für den Jemen. Die Straße von Sanaa nach Nor­den soll zur Zeit wie­der pas­sier­bar sein, aber das kann sich jeden Tag wie­der ändern. Vom Jemen über Afrika wei­ter zu rei­sen ist auch nicht weni­ger aben­teu­er­lich.

    Aber das größte Risiko stekt wohl in der Will­kür der ein­zel­nen Mili­tär­pos­ten, bzw. Bür­ger­meis­ter im Jemen. Sobald Sie sich in einem Ort auf­hal­ten, unter­ste­hen Sie dem Schutz des jewei­li­gen Bür­ger­meis­ters. Genauso wie bei den ein­zel­nen Stäm­men, ist der „Chef“ als Gast­ge­ber für ihre Sicher­heit ver­ant­wort­lich. Und wenn er sei­nen Job und seine mora­li­sche Ver­pflich­tung als Gast­ge­ber ernst­nimmt, dann wird er sie schüt­zen wol­len und nicht rei­sen las­sen. Sich dem zu wider­set­zen ist zweck­los, not­falls wer­den Sie ein­ge­sperrt. Genau so eine Geschichte weiß Hart­mut Fie­big von Grenz­gang auch zu erzäh­len.

    Also bevor Sie in einem trau­ri­gen jeme­ni­ti­schen Gemäuer von der Frei­heit träu­men, genie­ßen Sie diese lie­ber zäh­ne­knir­schend in Saudi Ara­bien mit der Aus­sicht auf Jor­da­nien.

    Der Jemen läuft ihnen nicht weg.

    Liebe Grüße

    Helmi Jöris­sen

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