13. April 2010, von

Ein Fazit?

«Ich frage nicht, wie es war», so begrüsste mich ein Freund nach unserer Rückkehr am Telefon.  Recht hat er — die Reise war zu lang, die Eindrücke zu vielfältig, um ein einfaches Fazit zu ziehen.  Natürlich gab es das Offensichtliche:  Überwältigend war die Gastfreundschaft während unserer Tour, insbesondere in den armen Gegenden.  Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft unserer meisten Bekanntschaften waren unglaublich.

«Was war euer lustigstes Erlebnis?» wurde die beste Partnerin von allen einmal daheim gefragt.  Wir mussten nicht lange überlegen, um auf viele Situationen zu kommen, die uns schmunzeln liessen — aber «das lustigste Erlebnis» können wir nicht ausmachen.  Die Flut der Eindrücke müssen wir noch ordnen, nachlesen im Tagebuch und mit den Fotos unsere Erinnerungen auffrischen.  Ein halbes Jahr auf Reisen — das ist eine lange Zeit …

Negative Begebenheiten — gab’s da welche?  Ja, durchaus, doch sie waren selten.  Grenzübergänge, an denen plötzlich seltsame Personen auftauchten und dubiose Absichten hatten, mein entwendeter Motorradhelm, mit dem jetzt ein Mopedfahrer in Tabriz unterwegs sein dürfte oder die fliegenden iranischen Devisenhändler mit ebenso schlechten Manieren wie Wechselkursen sind Einzelfälle, die man so oder ähnlich auf einer Reise immer erwarten muss.  Warum sollten sich die Auswüchse westlicher und östlicher Gesellschaften grundsätzlich unterscheiden, wenn es um menschliche Gier geht?

Beunruhigend waren Beobachtungen, die wir fast während unserer gesamten Reise gemacht haben:  Plastikmüll an Strassenrändern und Stränden, achtlos aus dem Fenster geworfene Flaschen in verslumten Innenstädten — das lässt sich in fast allen Ländern finden.  Auffällig sind die Abfallhaufen im Bereich von Parkplätzen, auf denen LKW parken, die unseren Wohlstand in ferne Länder transportieren.

Doch auch zurück im «sauberen» Deutschland sehen wir nicht erst auf der Rückfahrt, dass bei uns nicht alles Gold ist, was am Strassenrand liegt.  Wir sind zwar weiter in Bezug auf Umweltbewusstsein, nimmt man aber unsere Autobahnabfahrten und Grünstreifen als Massstab, dann ist Vieles verbesserungsbedürftig:  Fast-Food-Verpackungen, Zigarettenschachteln und Alkoholflaschen liegen auch bei uns teils massenweise herum.  Allzu sehr unterscheidet sich die Rücksichtslosigkeit Einzelner bei uns nicht von der in anderen Ländern.

Monatelang durften wir täglich eine fremde Welt erleben.  Wir haben uns bemüht, über ein plattes «das ist besser/das ist schlechter» hinauszukommen:  Manche Dinge lassen sich nicht vergleichen.  So war es für uns sicher auch ein Lernprozess, die Gewohnheiten fremder Kulturen zu akzeptieren und angemessen zu respektieren.

Wichtig war zudem, dass wir uns immer wieder erinnerten, warum wir losgefahren sind: Wir wollten kein Abbild unserer Welt erleben, sondern Neues erfahren — und Neues kann sowohl gut als auch schlecht sein.  Andere Kulturen sind zum Glück (!) — anders.  So konnten wir eine Menge lernen über fremde Länder und von fremden Menschen — aber auch über uns und unsere zwar weitaus besser organisierte, aber auch viel hektischere mitteleuropäische Art. Manchmal blitzte im warmen Sonnenlicht der Traum von einem ruhigen arabischen Leben durch die Palmen Omans — doch letztlich wussten wir natürlich, wo wir hingehören:  Wir kamen gerne wieder zurück in die ländliche Wetterau.

Die Begegnungen mit Menschen machten den Reiz unserer Reise aus.  Wir haben mit ihnen gegessen, gelacht, diskutiert und Zeit verbracht.  Vielleicht haben wir sogar Freunde gewonnen — wir hoffen zumindest, den einen oder die andere hier bei uns in der Wetterau wiederzutreffen.  Offener werden wir sein gegenüber Fremden, Menschen willkommen heissen, so wie wir willkommen waren in allen Ländern.  Und spätestens wenn es hier wieder kühl und regnerisch wird, werden wir davon träumen, uns wieder aufzumachen in die warmen Gegenden der Arabischen Halbinsel.

-fj

 

 

 

Eine Übersicht über alle Arabia-Artikel ist hier zu finden:

5 Kommentare auf "Ein Fazit?"

  1. Dieter Stemmer sagt:

    Hallo,

    schön, dass Sie gesund wieder zurück sind.

    Falls es eine Möglichkeit geben sollte die Reiseeindrücke in einer Veranstaltung miterleben zu dürfen, würden wir gerne teilnehmen.

    Wir habe Ihr Reise mit großem Interesse verfolgt.

    Dieter und Ingrid Stemmer Ortenberg

  2. Frank J. sagt:

    Auch ein Hallo an Sie!

    Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Fahrt und für die „Online-Begleitung“.

    Es wird ab Herbst eine Multimedia-Schau über die Reise geben — Näheres werde ich beizeiten hier im Blog veröffentlichen.

    Mit freundlichem Gruss

    Frank Jermann

  3. Rosemarie Tänzer sagt:

    Hallo, liebe Weltenbummler,

    wir freuen uns, daß Sie wieder gut in Heuchelheim angekommen sind. Im nachhinein nochmals herzlichen Dank für Ihre sehr informativen Reiseberichte.

    Mein Mann und ich waren sehr oft in der Türkei, Tunesien und Griechenland. Haben dort immer Land und Leute kennengelernt, besonders unsere tunesischen Freunde, die uns auch schon einige Male hier besucht haben. Bedingt durch meine Krankheit sind uns Flugreisen leider nicht mehr möglich und deshalb haben wir uns umsomehr über Ihre Berichte gefreut. Nochmals vielen herzlichen Dank und

    liebe Grüße

    Ihre Tänzers von gegenüber

  4. Max sagt:

    Guten Tag und herzlichen Dank dafür, dass wir in Ihrem hervorragenden Blog ein wenig „mitreisen“ durften.

    Stilsicher und mit wunderbaren Bildern gespickt – sowas würde man auch gerne in der „Langversion“ als Buch lesen ;-)))

    Alles Gute,
    Max & Heidi

  5. Cornelia Heinen sagt:

    Hallo Weltenbummler,

    habe mit Vergnügen Ihren schönen Reisebericht gelesen. Er war sehr interessant und man konnte an Ihren Erlebnissen teilhaben. Vielen Dank dafür!

    Wir haben 2009 eine sechswöchige Wohnmobilreise durch Neuseeland gemacht, auch wenn diese Reise nicht den Umfang Ihrer Reise hatte, so können wir die Lust am Entdecken neuer Landschaften sehr nachvollziehen.

    Seit einigen Wochen steht ein Wohnmobil vor unserer Tür und demnächst geht es auf Tour. Herzliche Grüße aus dem Rheinland in die Wetterau

    Cornelia u. Heinz Heinen

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