7. Mai 2010, von

Leuchtender Globus

Die beste Partnerin von allen und ich, wir kochen gerne, sie bäckt noch dazu gut.  Wir haben zwar durchaus unterschiedliche Vorstellungen von der Organisation des Speisenbereitens — doch schätzen wir die Gerichte des jeweils Anderen zu sehr, um ihr oder ihm die eigene Vorgehensweise bei der Verwüstung der Küche zuzumuten.  Anders ausgedrückt:  Für einen saftigen New York Cheesecake mit viel Schokolade nehme ich es putziger-, äh, putzenderweise in Kauf, dass der teigtropfende Rührbesen quer über der Herdplatte liegt.  Über den Rest des Chaos lege ich einen feinen Mehlmantel des Schweigens.

In einem sind wir beide uns aber einig:  Es muss hell genug sein in der Küche für kreatives Kochen und Backen — oder auch nur, um das Kunstwerk danach in vollem Licht würdigen zu können.  Das Auge isst schliesslich mit.  Zu diesem Zweck strahlen einige Halogenlampen Herd, Arbeitsflächen und Spüle an.  Für eine möglichst pointierte Erleuchtung habe ich Spots installiert — das sind «normale» Niedervoltleuchten, aber mit einem engen Abstrahlwinkel von 10 Grad.  Und so eine Leuchte war neulich durchgebrannt, Ersatz nicht mehr in der Schublade …

Zur Lösung solcher Fälle zieht es mich in meinen bevorzugten Friedberger Baumarkt — und das war bisher immer der toom.  Nun, «bevorzugt» ist etwas hübschend formuliert — es war bis vor einiger Zeit der einzige Baumarkt in Friedberg.

Doch so einfach wie früher ist das heute nicht mehr — denn in dieser Metropole der Wetterau gibt es mittlerweile ein zweites Paradies für Männer, die auf der Suche nach einer passenden Latte sind:  Gleich um die Ecke hat ein Globus aufgemacht.  Nein, das ist kein Ersatzplanet für unsere geschundene Mutter Erde — auch wenn das eine gute Idee wäre.  (Allerdings würde Vater Staat so ein Projekt nicht finanzieren, denn er greift lieber notleidenden Bankern und griechischen Gyrosbudeninhabern unter die Arme.)

Nein, der Globus ist ein weiteres, riesiges Spiel-, äh, nein — Werkzeugland für harte Kerle in karierten Hemden, mit zwei rechten Händen und unbändiger Sehnsucht nach dem Geruch von frisch gesägtem Holz und geöltem Metall.  Ein zweiter Baumarkt — hey, das ist freie Marktwirtschaft im besten Sinne:  Konkurrenz belebt nach herrschender Lehre das Geschäft, drückt die Preise und hebt die Angebotsvielfalt.

Doch wir Menschen sind Gewohnheitstiere — und ehe sich das weit in die Wetterauer Landschaft schreiende, globale Orange des Neulings einen Platz in meinem Habitgedächtnis ergattern konnte, landete ich immer wieder automatisch beim toom. So auch an diesem etwas unterbelichteten Tag auf der Suche nach einer Spotbirne.  Grundsätzlich war ich bei meiner Suche nach einer Birne hier auch gut aufgehoben, denn am Eingang steht häufig — etwas anderes erwartet man kaum bei einem Baumarkt — ein Obsthändler.

Nun, den liess ich links liegen und schaute in die Leuchtmittelabteilung — fand aber nicht Passendes.  Mir ging ein Licht auf:  Im toom-Markt werden vermutlich keine Halogen-Spot-Niedervoltleuchten mehr angeboten.  Da ich allerdings weiss, dass Sehkraft und Sorgfalt in meinem Alter merklich nachlassen, suchte ich Hilfe.  Freiwillig nahm sich allerdings keiner der Toomisten dieses hilflos herumstolpernden, potentiellen Kunden an.  Dass ich den Laden nicht ohne Einkauf verlassen würde, dafür vertraut man hier wohl auf die unwiderstehlichen Grabbelkisten am Ausgang — und darauf, dass ich ein vierzehntes Paar Arbeitshandschuhe benötige.

Also hielt ich eine Arbeitskraft von ihrer weitaus wichtigeren Tätigkeit des Stur-an-mir-Vorbeischauens ab und fragte nach.  Doch auch die Fachfrau fand das gesuchte Birnchen nicht — und murrte fast noch mehr als ich über das schwindende Angebot.  Es würden nur noch Artikel bestellt, die die Kunden nachfragen, hiess es.  Nun, und was war ich?  Ein Ausserirdischer, der nur mal gucken wollte?  Und was wollte ich?  Vanillepudding?  Nein, ich war ein Kunde und fragte nach einer speziellen Glühbirne.  War das keine Nachfrage?

Anstatt zumindest eine kleine Menge dieser angeblich exotischen Dinger ins Regal zu hängen, wurden die Ständer gefüllt mit Massen von langweilig lichtflutenden Durchschnittsbirnen.  Man verstehe mein Problem ja, hiess es, aber «die Herren da oben» seien Schuld — allerdings half diese Erklärung nicht, meinen Kochtopf samt Leibspeise gut auszuleuchten.  Doch könne man vielleicht etwas bestellen, und so wurden — gefühlt endlos — Kataloge durchblättert.  Da ich ein einfaches Leuchtmittel erstehen wollte und keine massgeschneiderte Küche, winkte ich schliesslich ab — und fuhr um die Ecke zum Globus.

Und siehe da:  Auf Anhieb fand ich Halogen-Niedervoltleuchten mit 10 Grad Abstrahlwinkel!  Auch wurde ich nicht als exotischer Sonderling eingestuft, als ich vorsichtshalber gleich vier Birnchen aus dem Regal nahm.  Verständlicherweise erledigte ich meine anderen Baumarkteinkäufe für die üblichen 358,39 Euro auch gleich mit — und wurde dabei nicht alleine gelassen:  In der Gartenabteilung bei den Teichfolien herumlungernd, sprach mich ein Mitarbeiter an:  «Wird Ihnen schon geholfen?»  Ich musste mich kneifen.  Das Personal ist zwar farblich hässlich in Globus-Orange gekleidet, dadurch aber gut sichtbar und noch besser: ansprechbar, freundlich und bemüht.

Tja, meine Damen und Herren von toom — das könnte eng werden in den nächsten Monaten, wenn die Gesetze des freien Marktes zuschlagen.  Doch wenn ich länger darüber nachdenke und meine Lebenserfahrung als unbestechlichen Berater ins Spiel bringe, dann wird sich vermutlich eher der Globus dem Niveau des bisherigen Platzhirschs toom annähern — und alles geht endlich wieder seinen gewohnten Gang in unserer Einkaufskultur.

Wenn es soweit ist, kaufe ich natürlich wieder lieber beim toom ein.  Dort gibt’s bereits seit langem ein unwiderstehliches Angebot für jeden Bastler:  Billiger Wein in rot und weiss hilft dem Heimtrinker, äh — Heimwerker, den Nagel noch besser auf den Kopf zu treffen.

-fj

9 Kommentare auf "Leuchtender Globus"

  1. Rosemarie Tänzer sagt:

    Hallo, lieber Herr Jermann,

    danke für Ihre mail. Ihr Artikel über den Erwerb einer Halogen-Niedervoltleuchte hat mir super gefallen. So ähnlich ist’s meinem Mann ergangen, als er auf der Suche nach einem Heiß-Wasser-Boiler war. Zuerst toom, dann Globus und zum Schluß bei unserem Elektrohändler in Echzell. Dort ist es zwar etwas teurer, aber man wird zuvorkommend bedient.

    Ich freue mich auf Ihren nächsten Artikel.

    Freundliche Grüße – auch an Ihre Frau –

    Rosemarie Tänzer

  2. Frank J. sagt:

    Hallo Frau Tänzer,

    diese Art von Geschichten scheint endlos zu sein. Viel lieber kaufe ich regional/lokal ein, als in den grossen Märkten im Frankfurter Umland oder im Internet. Dabei fallen unsere grossen Baumärkte in Friedberg irgendwie ja auch schon unter „lokales Angebot“ — obwohl auch sie mit ihrem Mainstream-Angebot die Vielfalt sicher nicht fördern.

    In Bezug auf Service ist ein Einkauf in solchen grossen Läden allerdings immer ein Lotteriespiel: Im Expert-Markt in Friedberg stehe ich neulich suchend vor den Regalen der Computer-Abteilung, währenddessen vier (!) Verkäufer acht Meter neben mir angeregt über den günstigsten Mobiltelefonanbieter diskutieren. Das dann nach geraumer Zeit doch folgende Kundengespräch mit mir war seitens des Verkäufers gelangweilt, ohne Freundlichkeit, fast schon genervt. Ah, nicht zu vergessen: Auch ohne Produktkenntnisse.

    Der Filialleiter bot mir in einer anderen Abteilung sehr freundlich Hilfe an. Seine Klage — im darauf folgenden Gespräch über das vorher geschehene — über die Konkurrenz der Online-Shops kann ich nur zum Teil verstehen: Wenn ich mir schon die Mühe mache, in einen solchen Laden zu fahren, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen, dann erwarte ich nichts weniger als aufmerksame Beachtung, lächelnde Freundlichkeit und kompetente Beratung. Nichts von dem habe ich in der Technik-Abteilung angetroffen. Folglich werde ich im Internet bestellen.

    Die Menschen bringen sich selbst um ihre Arbeitsplätze, oder?

    -Frank

  3. Hallo zusammen,

    folgendes Erlebnis von gestern im Toom Baumarkt, Friedberg, 20:01 Uhr:

    Während die Mitarbeiterin der Farbenabteilung uns noch geduldig einen Eimer Farbe mischt und an den beiden offenen Kassen noch Schlangen stehen, werde ich bei einem Abstecher zu den Scharnieren von einem Toom-Mitarbeiter vollkommen unfreundlich angeraunzt: „Sie wissen schon, dass die Kassen schließen!?“

    Wenn die nette Mitarbeiter in der Farbenabteilung nicht um das 10-fache netter gewesen wäre, hätte ich den Farbeimer stehen lassen.

    Ohne Scheiß: Das war nicht nett.

    -Alexander

  4. „Paradies für Männer“:
    Also, hier bei Obi guckt der Gatte immer ratlos, woraufhin ich ihm den Weg zum begehrten Objekt durch beherztes Vorauseilen weise: Baumärkte sind nämlich sehr wohl Mädchenspielplätze!

    Naja, ich bin halt eines mit eigener Werkbank.
    :-)

  5. Frank J. sagt:

    Frau Buchstäblich, ich kontere: Ich bin ein Kerl mit eigenem Topf und eigener Pfanne!

    Dass wir uns aber auch nicht an die Spielregeln halten können … ;-)

    -Frank

  6. Ich finde, dass Frau Buchstaeblich ja recht hat. Bei meinen letzten beiden Besuchen am Schraubenregal bei Globus, stand dort jedes Mal ein Paar, bei dem die Frau den Mann energisch zurecht wies, welche Schrauben und/oder Scheiben denn nun die richtigen wären.

    Aus dem Kommentar von Frau Buchstaeblich und meinen Erlebnissen ergibt sich nun die Frage, ob den Hornbach mit der Aktion „Women at work“ Erfolg gehabt hat. Auf jeden Fall hat Hornbach aber recht: Es gibt immer was zu tun.
    ;-)
    -Alexander

  7. Himmelhoch sagt:

    Hallo und guten Tag zum ersten Mal (schreibend) auf diesem Blog, durch Ihre ausführlich und sehr engagiert geführte Nichtraucherverteidigung im Blog bei Frau Buchstäblich bin ich nun doch neugierig geworden, wer hier kochend, genießend und einkaufskritisch durch die Männer- und Frauenparadiese der 100 000 Nützlich- und Unnützlichkeiten in Baumärkten schlendert. Übrigens, ich hätte gleich mit den gewünschten Birnen aushelfen können.

    Nicht erst seit männerfreien Haushaltszeiten bringe ich meine Regale selbst an – mein Mann kochte und backte sehr gut, da wollte ich ihm nicht ins Handwerk pfuschen.

    Auch ich bin eine bekehrte Raucherin (seit 2004 kippenfrei), die fast nie sich um Nichtrauchersorgen und -belange einen Kopf gemacht hat. Die Nichtraucher hätten doch an die frische Luft gehen können, wenn sie der Rauch stört (sehr stark übertrieben; aber bei Zigarrenqualm anderer beim Essen habe ich schon mal gefragt, ob auch draußen serviert wird).

    Das Zeilchen im Blog ganz oben werde ich mir mal notieren, denn von den absolut notizzettelfreien Zeiten habe ich mich seit einigen Jahren emanzipiert.

  8. Frank J. sagt:

    Hallo Frau Himmelhoch,

    immer mehr muss ich lernen, dass ein Baumarkt wohl doch auch ein Frauenparadies sein kann …

    Das Raucherthema bei Frau Buchstaeblich hat Sie hierher getrieben? Na, dann hat meine dortige vergebliche Mühe um einen festen Standpunkt ja doch etwas Gutes gehabt. :-)

    Wissen Sie, was Ihren Kommentar bei mir so beliebt macht? Na? Dass endlich mal ein/e Raucher/in zugibt, was mir jahrzehntelang so auf den Senkel gegangen ist: Die selbstverständliche Rücksichtslosigkeit, mit der die Mehrheit der Raucher meine Nase und Gesundheit attackiert haben.

    Chapeau, Frau Himmelhoch!

    -Frank

  9. Himmelhoch sagt:

    Und ich gebe weiterhin noch (in das Klischee passend) zu, dass ich mich regelmäßig in großen Baumärkten verlaufe – aber das passiert mir bei Kaufland oder wie diese Monsterdinger alle heißen, eben so. Deswegen bin ich auch ein absoluter Navifan, (die funktionieren ja aber innen nicht) was man auf diesem Foto nur ein ganz klein wenig sehen kann.

    Ohne Mist, zwei habe ich wirklich, aber nicht immer beide im Einsatz, nur bei ganz komplizierten Situationen.

    Und tschüss sagt Clara H.

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