27. Juni 2010, von

Durchschnittskost

Ein 1:0-Sieg über Ghana bringt die deut­sche Fuss­ball-Natio­nal­mann­schaft als Grup­pen­sie­ger ins Ach­tel­fi­nale gegen Eng­land — soweit die Fak­ten.  Objek­tiv.  Die Beur­tei­lung des Spiels ist zumin­dest teil­weise sub­jek­tiv:  Es war eher mäs­sig, die deut­sche Mann­schaft über­zeugte nicht, Ghana über­raschte posi­tiv, schoss aber — trotz eini­ger guter Chan­cen — kein Tor.

Wenn die Gha­naer gewon­nen hät­ten, wer hätte sich bekla­gen kön­nen?  Die deut­sche Mann­schaft wäre mit drei Punk­ten aus­ge­schie­den, statt des­sen wäre das bis­her eher schwa­che Aus­tra­lien in die nächste Runde ein­ge­zo­gen.  Das wirft ein bezeich­nen­des Licht auf diese Welt­meis­ter­schaft:  Das Niveau der bis­he­ri­gen Vor­run­den­spiele ist ziem­lich mau.

Nun gel­ten wenn und aber nicht, die Fak­ten zäh­len — und die besa­gen, dass es im Ach­tel­fi­nale gegen Eng­land geht.  Trotz­dem stünde es dem durch­schnitt­li­chen deut­schen Fuss­ball­fan gut an, die natio­nale Brille ab und zu auf die Stirn zu schie­ben und einen Rea­li­täts-Check zu machen.  Doch das ist offen­bar nicht ange­sagt.

Nach dem nicht beson­ders ansehn­li­chen Sieg gegen Ghana sol­len in Bad Nau­heim die Autos gewa­ckelt haben vor Freude, so wurde mir berich­tet.  Hupen, Grö­len, Begeis­te­rung — ja:  wofür?  Begeis­te­rung für eine ins­ge­samt unter­durch­schnitt­li­che Leis­tung der deut­schen Mann­schaft?  Über­setzt in den poli­ti­schen Wett­be­werb wäre das in etwa so, als wenn die aktu­elle Bun­des­re­gie­rung eine Zustim­mung von 70 % hätte, nur weil sie sich regel­mäs­sig im Par­la­ment trifft.

Ich sehe die deut­sche Mann­schaft nichts­des­to­trotz als Favo­rit, wenn es heute gegen Eng­land geht.  Was die Eng­län­der bis­her gezeigt haben, war nicht bes­ser als das Spiel der deut­schen Mann­schaft:  Weder in Bezug auf die Ein­stel­lung der Mann­schaft stimmte es, noch traue ich es dem ita­lie­ni­schen Coach Capello zu, sich in Eng­land durch­zu­set­zen.

Auch wenn der Trai­ner es immer­hin erkannt hat, dass ein auf Hes­key zuge­schnit­te­nes Kick-and-Rush nicht erfolg­reich ist und mit Defoe und Mil­ner eine stär­kere Sturm­va­ri­ante auf gebo­ten hat, es ist doch ins­ge­samt zu wenig, was Capel­los Team bie­tet.  Roo­ney hat bis­her geschwä­chelt, das Tor­wart­pro­blem der Bri­ten ist nicht durch eine gute Leis­tung von James gelöst.

Wie immer sind sol­che Vor­her­sa­gen aber natür­lich müs­sig, denn gerade in KO-Spie­len einer gros­sen Meis­ter­schaft kön­nen Mann­schaf­ten über sich hin­aus­wach­sen.

Also:  Fish’n Chips oder Sauer­kraut?  Egal, denn bei mir sind Grill­würst­chen und ein Bier ange­sagt.

-fj

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