6. Juli 2010, von

La Mannschaft

Autsch!  Da habe ich so richtig falsch gelegen mit meiner Einschätzung, dass Argentinien gegen Deutschland gewinnen würde. Wer hätte aber vor dieser Partie geglaubt, dass die Südamerikaner dermassen chancenlos sein könnten?  Da hätte Löw schon ein paar Stolperer der Marke Gomez einsetzen müssen, um diese Partie nicht zu dominieren.

Es durfte also ein wenig mehr sein als ein viertele Finale.  Und wieviel mehr!  Kaum zu glauben, wie sehr die deutsche Mannschaft den Argentiniern den Schneid abkaufte.  Nichts, aber wirklich gar nichts blieb übrig von den bisherigen guten Leistungen der Südamerikaner bei dieser WM.  Das verwundert, denn die können doch wohl über Nacht nicht das Fussballspielen verlernt haben?

Gegen die deutsche Mannschaft schoss Argentinien entweder weit am Kasten vorbei, oder man versuchte sich im bei dieser Weltmeisterschaft offenbar hoch dotierten Wettbewerb:  «Wer trifft den Torwart am besten?»  Mittig abgezogen, meist genau auf den Hüter des Eckigen, am besten noch halbhoch — diese Übung war während des Turniers von vielen der offensiven Spielern zu sehen.  Und wenn der Torwart nicht schnell genug wegkam, dann hatte er keine Chance, den Ball nicht zu erwischen.

Die deutsche Mannschaft legte in der zweiten Halbzeit — wie gegen England — noch einmal nach.  Das macht das Team sympatisch:  Kein Verwalterfussball, sondern der Drang, dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken und es angemessen zu entscheiden.

Dabei lieferten Özil und Podolski eine durchwachsene beziehungsweise eine schwache Vorstellungen ab — was die Gesamtleistung von «La Mannschaft» in noch besserem Licht erscheinen lässt.  England und Argentinien kamen mit dem Ausfall ihrer Stars nicht zurecht, während in der deutschen Mannschaft eine solide Breite herrscht.

«La Mannschaft»?  Ja, ich hatte die Gelegenheit, das Spiel in Paris zu sehen, auf einem kleinen 30-Zentimeter-Monitor — und da hörte ich immer wieder diese Bezeichnung für das deutsche Team:  «La Mannschaft».  Das ist zwar nicht charmant, trifft aber ganz gut, oder?  Denn als «Tanks» oder «Panzer» kann man dieses spielende deutsche Team nicht mehr bezeichnen.

Apropos Frankreich:  Das Interesse am Wettbewerb der Nationalteams hat ein wenig nachgelassen.  Doch mehr dazu und aus der französischen Hauptstadt zu einem späteren Zeitpunkt — hier und jetzt geht es um die WM 2010.

Erwarten Sie wieder eine Meinung zum Ausgang des Halbfinals gegen Spanien?  Im Gegensatz zu meinem falschen Tipp in Bezug auf Argentinien glaube ich, dass die Spanier sich schwer tun werden, das deutsche Team zu schlagen.  Zu wenig effektiv der Angriff, zu sehr auf Villa abgestellt — und die deutsche Abwehr hat sich ausserdem gegenüber der Vorrunde sichtbar gesteigert.

Aber Sie wissen ja:  Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt — und jeder blamiert sich so gut er kann.  Diesmal war ich es mit meinem Tipp fürs Viertelfinale, hoffen wir, dass es im halben Finale nun nicht die zu Recht hoch gehandelten deutschen Kicker sind.

-fj

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