19. August 2010, von

Hören Sie auf Hillesheim!

Es ist gleich­gül­tig, ob man momen­tan eine Zei­tung auf­schlägt, das Radio anmacht, den Fern­se­her anstellt, oder ins Inter­net geht:  Google ist schon da.  Da Sie die­sen Arti­kel hier im Inter­net lesen, muss ich Ihnen nicht erklä­ren, wer Google ist und was die machen.  Google Maps haben Sie ver­mut­lich alle schon mal benutzt — wenn nicht, dann schauen Sie sich ein­fach mal Fried­berg aus der Vogel­per­spek­tive an.

So, nun sind Sie also Fach­frau oder Fach­mann in Sachen Google Maps.  Google schaut der Erde schon seit Jah­ren aufs Dach und in den Gar­ten.  Kla­gen habe ich dies­be­züg­lich keine gehört, eher Enthu­si­as­mus, wie hilf­reich und inter­es­sant das sei.  Man ist sich weit­ge­hend einig: ein tol­ler Dienst!

Nun aber zu glau­ben, dass Google ein Unter­neh­men ist, dass sich mit dem Blick von oben herab begnü­gen würde, ist so rea­li­täts­fern, wie anzu­neh­men, dass unsere Poli­ti­ker ihrem Wis­sen und Gewis­sen und nicht einem Frak­ti­ons­zwang unter­wor­fen wären.

Natür­lich hat Google schon längst nicht nur Pläne zur Erwei­te­rung des Diens­tes Google Maps in der Schub­lade, son­dern in man­chen Län­dern ist dies bereits Rea­li­tät:  Google Street View heisst das Pro­jekt.  Damit kann man sich vir­tu­ell in eine Strasse bege­ben und sich umschauen.  In den USA gibt es das seit Jah­ren — und jeder, der min­des­tens drei Sinne bei­ein­an­der hat, konnte abse­hen, dass der Kon­zern das auch für Deutsch­land plant.  Für einige Som­mer­loch-Poli­ti­ker/in­nen scheint das jetzt aller­dings über­ra­schend zu kom­men, wenn man in den Medi­en­wald hin­ein­horcht.

So dis­ku­tie­ren und blub­bern momen­tan also Poli­ti­ker, Daten­schüt­zer und jeder Andere, der dazu etwas oder nichts zu sagen hat — oder noch bes­ser:  der dar­über gar nichts weiss — ob diese Stras­sen­an­sich­ten nun wün­schens­wert sind, ob wir in unse­rer Repu­blik so etwas wie Google Street View auch haben wol­len oder sol­len.  Und auch Vol­kes Stimme kommt zu Wort: Lud­wig Hil­le­sheim.  Nanu, Sie ken­nen Hil­le­sheim noch nicht?  Na, da haben Sie etwas ver­passt!

Hillesheim

Lud­wig Hil­le­sheim aus Düs­sel­dorf ist angeb­lich welt­be­rühmt, weil er sich vehe­ment gegen Google Street View aus­spricht.  Er möchte nicht, dass Google sein Haus und sei­nen Gar­ten ablich­tet und ver­öf­fent­licht — und lässt sich dafür von einem Repor­ter auch gerne mal — äh, ja, tat­säch­lich:  vor sei­nem Haus ablich­ten und ver­öf­fent­li­chen. Damit hat er keine Pro­bleme, denn:  «Wo ich wohne, weiß ja trotz­dem kei­ner», so wird er bei RP-Online zitiert.

Nun, Herr Hil­le­sheim, ob Sie da mal nicht irren?  Ihre Anschrift ist drei bis vier Klicks im Inter­net ent­fernt:

Men­del­weg 27
40591 Düs­sel­dorf
Tele­fon 02 11 - 75 35 82

Da Sie nach eige­nem Bekun­den kein Inter­net nut­zen, wuss­ten Sie das ver­mut­lich nicht, als Sie den Weg zum Welt­ruhm beschrit­ten, oder?  Und sie wuss­ten ver­mut­lich auch das nicht:

  • Der Dienst dastelefonbuch.de zeigt nicht nur Ihre Anschrift und Ihre Tele­fon­num­mer, nein, einen Maus­klick wei­ter (auf Kar­ten­su­che zie­len und kli­cken) sehe ich Ihre Adresse auf einer Land­karte.  Noch einen Klick wei­ter kann ich dort aus der Vogel­per­spek­tive (genau die­sen Punkt ankli­cken und ver­grös­sern) fest­stel­len, dass Sie in einem Rei­hen­haus woh­nen, einen Bal­kon und ein Stück Gar­ten haben.  Haben Sie schon dage­gen geklagt, wie Sie es in dem Bericht bei RP Online ankün­di­gen?
  • Grös­sere Teile Ihrer Stadt Düs­sel­dorf wur­den bereits à la Google Street View erfasst:  Das Unter­neh­men pano­gate GmbH aus Köln bie­tet mit dem Dienst sightwalk.de im Inter­net Stras­sen­bil­der von meh­re­ren Städ­ten unse­rer Repu­blik an.  Ich nehme an, Ihren fun­dier­ten und ent­rüs­te­ten Arti­kel in der RP Online gegen diese Unver­schämt­heit habe ich nur über­se­hen.
  • Es exis­tie­ren seit län­ge­rem wei­tere soge­nannte Geo-Dienste, die weit mehr über Sie zusam­men­ge­tra­gen haben, als Sie ahnen.  Zur Lek­türe sei Ihnen die­ser Zeit-Arti­kel emp­foh­len: Die Mer­kels von nebenan (Quelle: Zeit Wis­sen, 2006!).

Kann es sein, dass Sie, Herr Hil­le­sheim Ihre «Kennt­nisse» aus Publi­ka­tio­nen wie der Bild­zei­tung haben, die jeden Blöd­sinn, den Som­mer­po­li­ti­ker und andere C-Pro­mis zu die­sem Thema von sich geben, dank­bar auf­greift?  Links zum hane­bü­che­nen Unsinn die­ser gern gele­se­nen, aber völ­lig unnüt­zen Publi­ka­tion erspare ich mir und Ihnen — nur so viel:  Da glau­ben tat­säch­lich einige Men­schen, dass Google Video­ka­me­ras instal­liert und ins Schlaf­zim­mer schaut.  Herr, lass Hirn reg­nen.

Und nun ich

Wenn sich der put­zige Herr Hil­le­sheim — wie übri­gens auch viele Poli­ti­ker (nur bei denen ist das weni­ger komisch) — ohne Kennt­nisse zum Thema Google Street View äus­sern darf — ja, warum dann nicht auch ich?  Darf ich?  Ja?  Danke!

Anders als die meis­ten mei­ner hier erwähn­ten Vor­red­ner möchte ich aller­dings weni­ger aus dem Bauch her­aus das Sze­na­rio eines bösen Unter­neh­mens auf den Bild­schirm malen, son­dern zwei ein­fa­che Fra­gen stel­len (und die dann prak­ti­scher­weise gleich selbst beant­wor­ten):

Erste Frage — Gibt es einen Nutzen?

Bei­spiel 1:  Bei einem Besuch in New York City hatte ich ein gutes und güns­ti­ges Hotel aus­fin­dig gemacht.  Es lag in einer Neben­strasse der Wall Street und ich nutzte Google Street View, um mir die Gegend um das Hotel anzu­schauen.  Ich fand nor­male Geschäfte, ein paar Restau­rants und keine ein­sturz­ge­fähr­de­ten Lager­häu­ser.  Das war eine gute Hilfe und ich habe mich für das Hotel ent­schie­den.  Es war eine prima Wahl.

Bei­spiel 2:  Ich habe mich mehr­mals am Sal­ton Sea, einem See im Süden Kali­for­ni­ens, her­um­ge­trie­ben.  Spä­ter mit­tels Google Maps den einen oder ande­ren Ort noch­mal von oben anzu­schauen, hat mir beim Ver­ständ­nis die­ser selt­sa­men Geschichte sehr gehol­fen.  Heute kann ich mir per Google Street View sogar einige Details auf den Stras­sen anschauen und die Erin­ne­rung auf­fri­schen.  Als Bei­spiel mag die Ansicht des wun­der­ba­ren, aber seit Jahr­zehn­ten ver­fal­le­nen North Shore Beach & Yacht Clubs die­nen.

Die klare Ant­wort auf Frage eins lau­tet:  Ja, es gibt einen Nut­zen.

Zweite Frage — Wie ist die Rechtslage?

Sol­che Fra­gen sind meist nicht ein­deu­tig zu beant­wor­ten.  Und selbst wenn die Rechts­lage ein­deu­tig zu sein scheint:  Vor Gericht und auf hoher See … Sie ken­nen das.  Ich will trotz­dem ver­su­chen, den Sach­ver­halt rich­tig und struk­tu­riert anzu­ge­hen.

1) Foto­gra­fie­ren
Google foto­gra­fiert von unse­ren Stras­sen aus die Umge­bung.  Unter «Umge­bung» fal­len erst­mal Men­schen, Nach­bars Kater, Autos, Häu­ser­fas­sa­den, Vor­gär­ten, Eis­ge­schäfte, Filia­len der Dresd­ner Ba…, Wool­wor…, na ja, die gibt’s ja nicht mehr, aber Sie wis­sen, was ich meine.  Darf man das?  Man darf sol­che soge­nann­ten Pan­ora­men auf­neh­men (etwas mehr dazu wei­ter unten).  Wenn man das darf — warum sollte Google das nicht dür­fen?

2) Ver­öf­fent­li­chen
Google möchte die geschos­se­nen Fotos aller­dings auch nut­zen.  «Nut­zen» heisst in die­sem Fall: im Inter­net ver­öf­fent­li­chen.  Da wird’s schon schwie­ri­ger, denn bei Ver­öf­fent­li­chun­gen ist die Rechts­lage bei uns ein wenig schär­fer.  Und man muss bei Ver­öf­fent­li­chun­gen unter­schei­den zwi­schen «Per­so­nen» und «Pan­ora­men».  OK, machen wir das, unter­schei­den wir:

2a) Per­so­nen
Grund­re­gel:  Nie­mand darf ein Foto von Ihnen ver­öf­fent­li­chen, wenn Sie damit nicht ein­ver­stan­den sind. Aus­nah­men gibt’s zwar, die sind aber für den Google-Fall nicht rele­vant.  Bei der Ver­öf­fent­li­chung von Per­so­nen­fo­tos ist das deut­sche Recht also ziem­lich ein­deu­tig.  Stelle ich bei­spiels­weise ein Bild von Ihnen ohne Ihre Zustim­mung ins Inter­net, haben Sie einen Anspruch auf Unter­las­sung.  Sie kön­nen mich ver­kla­gen, wenn Sie mich nicht mögen, Sie kön­nen mich auch ein­fach nur nett, aber sehr bestimmt bit­ten, das Foto zu löschen — oder Sie kön­nen sich damit abfin­den.

Nun geht’s bei all dem momen­ta­nen Lamento um Google Street View so gut wie nie um Per­so­nen, die auf den Fotos abge­bil­det sind.  Zwar gab es in der Ver­gan­gen­heit immer mal wie­der mehr oder weni­ger komi­sche Fälle, in denen von Google abge­bil­dete Men­schen gezeigt wer­den, die sich in eher unüb­li­chen Situa­tio­nen befin­den, aber schon auf­grund der gerin­gen Auf­lö­sung der Bil­der fällt es eher schwer, hier eine Zuord­nung der abge­bil­de­ten Per­son zu einer rea­len Per­son her­zu­stel­len.  Zudem ver­sucht Google meist, diese Per­so­nen unkennt­lich zu machen — man nennt das «Ver­pi­xeln».  Das gelingt bei Bil­dern in den USA aller­dings nicht immer, doch ich halte es für schwer vor­stell­bar, dass Google hier bei uns in Deutsch­land (erst Recht nach der jet­zi­gen Hys­te­rie!) nicht sorg­fäl­ti­ger vor­geht als in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­rika.

Diese Ver­pi­xelung ist hier­zu­lande aller­dings keine leichte Auf­gabe, denn nach mei­nem Kennt­nis­stand ist es nach deut­schem Recht nicht wich­tig, ob eine Per­son für jeder­mann genau zu erken­nen ist.  Es ist nach unse­rer Recht­spre­chung im Zwei­fel bereits bedenk­lich, wenn Bekannte jeman­den auf so einem Foto erken­nen kön­nen.  Wenn es also schlecht läuft, kann es (vor Gericht) rei­chen, wenn Herr Hil­le­sheim den Her­bert L. kennt, der tag­täg­lich «im rot-weiss karier­ten Hemd mit sei­nem grü­nen Trak­tor unter­wegs ist» — und der Herr Hil­le­sheim dann auf einem Foto im Inter­net ent­deckt, dass irgend­ein nicht wei­ter erkenn­ba­rer Kerl im rot-weiss karier­ten Hemd sei­nen grü­nen Trak­tor vor einem Düs­sel­dor­fer Bor­dell parkt.  «Wenn des man bloss dem Her­bert sei Frau nicht sieht», mag Herr Hil­le­sheim den­ken und für Her­bert L. hof­fen.

Aber im Ernst:  Sol­che Fälle sind mit Sicher­heit so sel­ten wie Wet­ter­auer Zwetsch­gen­schnaps statt Rot­wein beim Abend­mahl.  Kol­la­te­ral­schä­den, um ein repekt­lo­ses, aber moder­nes Wort zu ver­wen­den.  Hicks!

2b) Pan­ora­men
Jetzt sind wir beim tat­säch­li­chen Pro­blem.  Täg­lich höre ich Men­schen, die sich bekla­gen, dass «meine Haus­fas­sade» im Inter­net zu sehen sein wird. Auch Lud­wig Hil­le­sheims — hmm, «Argu­men­ta­tion» hat hier ihren Ansatz.  Ebenso bekla­gen Poli­ti­ker aller Cou­leur, dass die «Pri­vat­sphäre» der Men­schen durch Goo­g­les Fotos öffent­lich gemacht werde.  Uni­sono wird gefor­dert, dass man dage­gen vor­ge­hen müsse.

Tja, meine Damen und Her­ren, haben Sie schon mal von der soge­nann­ten «Pan­ora­ma­frei­heit» gehört?  Herr Hil­le­sheim und die meis­ten Poli­ti­ker wohl nicht, denn sonst wür­den sie nicht einen solch boden­lo­sen Unsinn von sich geben.

Der Begriff Pan­ora­ma­frei­heit stammt aus dem Urhe­ber­recht und es würde hier zu weit füh­ren, den kom­plet­ten Gedan­ken darzulegen.¹  Nur soviel:  Es ist bei uns grund­sätz­lich rech­tens, all das zu foto­gra­fie­ren und diese Bil­der dann zu ver­öf­fent­li­chen, was man von öffent­li­chem Grund aus ohne Hilfs­mit­tel sehen kann (die Ein­schrän­kun­gen hin­sicht­lich abge­bil­de­ter Per­so­nen sind natür­lich zu beach­ten, und es gibt ein paar wenige, spe­zi­fi­sche Aus­nah­men auf­grund ande­rer Rechte).  Also dür­fen Sie das Haus des Nach­barn vom Bür­ger­steig aus ablich­ten und ins Inter­net stel­len.  Was bei uns pri­vat ist und was nicht, ist bereits per Gesetz defi­niert.  Eine Häu­ser­fas­sade ist es jeden­falls nicht, auch ein frei ein­seh­ba­rer Gar­ten fällt unter dem Aspekt «darf ich das anse­hen, foto­gra­fie­ren und ver­öf­fent­li­chen» nicht unter die Pri­vat­sphäre.

Und Google?  Tja, warum soll­ten die nicht her­um­fah­ren und von öffent­li­chem Grund aus die frei ein­seh­bare Umge­bung foto­gra­fie­ren?  Weil einige Som­mer­loch-Poli­ti­ker rum-aignern?  Weil ein Herr Hil­le­sheim rum­pol­tert?

Auf­merk­same Lese­rin­nen haben natür­lich bemerkt, dass sich da vor zwei Absät­zen ein «ohne Hilfs­mit­tel» ein­ge­schli­chen hat.  Das bedeu­tet in der Pra­xis:  Sie dür­fen bei­spiels­weise keine Lei­ter benut­zen, um übers Hof­tor hin­weg Nach­bars Gar­ten foto­gra­fie­ren zu kön­nen.  Die schöne Dame, die sich dort im knap­pen Bikini sonnt, ist sowieso tabu — ande­res Thema (Per­so­nen), aber das wis­sen Sie ja bereits.

Google fährt nun mit Autos durch die Gegend, auf denen in zirka 2,90 m Höhe Kame­ras instal­liert sind.  Das ist auf den ers­ten Blick ver­gleich­bar mit dem Hilfs­mit­tel einer Lei­ter, denn so wird eben­falls eine höhere Kame­rapo­si­tion erreicht.  In bis­her kei­nem Kom­men­tar eines Poli­ti­kers (und über­ra­schen­der­weise auch nicht bei der mes­ser­schar­fen Argu­men­ta­tion des Herrn Hil­le­sheim) habe ich auch nur im Ansatz einen Gedan­ken erken­nen kön­nen, der sich mit die­sem (ver­mut­lich ein­zi­gen dis­kus­si­ons­wür­di­gen) Pro­blem beschäf­tigt.

Zwischenfazit

Wenn Sie mir bis hier­her fol­gen woll­ten, dann ist das recht­li­che Pro­blem eini­ger­mas­sen klar:  Google — wie jeder andere auch — darf diese Fotos machen, auch einer Ver­öf­fent­li­chung steht grund­sätz­lich nichts im Wege.  Ob die erhöhte Posi­tion der Kame­ras in Deutsch­land ein recht­li­ches Hin­der­nis dar­stellt, muss geprüft wer­den — nichts ande­res.  Meine erste Ein­schät­zung dazu ist aller­dings, dass es sich hier nicht um eine tech­ni­sche Mass­nahme han­delt, die den Blick über Sichtsper­ren wie Hecken oder Zäune, son­dern die den Blick über auf der Strasse geparkte Auto­dä­cher ermög­li­chen soll.  Das wäre nach mei­ner Ein­schät­zung dann zuläs­sig im Sinne des Geset­zes.  Wenn Google sorg­sam mit dem Mate­rial umgeht (und diverse Unter­las­sungs­kla­gen ver­mei­den will), dann wer­den Ein­bli­cke in ansons­ten sicht­ge­schützte Gär­ten unkennt­lich gemacht.

So, mein lie­ber Herr Hil­le­sheim und ver­ehrte Poli­ti­ker und Poli­ti­ke­rin­nen, ich habe mir wirk­lich Mühe gege­ben, die­sen Sach­ver­halt ein wenig ver­ständ­lich auf­zu­ar­bei­ten, damit auch Sie zumin­dest eine Ahnung haben, wovon Sie reden.

Ach, Sie mei­nen, dass Google grund­sätz­lich böse sei, ein Daten­gi­gant, der all diese Daten ver­knüp­fen und miss­brau­chen will?  Grosse Gefahr im Anzug?

Tja, aber das ist ein ande­res Thema — und so rich­tig offen mag da nie­mand drü­ber spre­chen.  Viel­leicht weil so viele Men­schen bei uns per Payback-Kar­ten, über soziale Netz­werke im Inter­net, beim Online-Kauf und sogar im Tele­fon­buch (siehe oben) wirk­lich pri­vate Daten mehr oder weni­ger beden­ken­los preis­ge­ben?  Mas­sen­weise.  Frei­wil­lig.  Wegen des Ver­spre­chens von ein paar Cent Rabatt, eines Gra­tis-Fuss­balls für den Enkel oder der rosa Bade­lat­schen für die Enke­lin?

Schlechter Ruf — schnell korrigiert

Viel­leicht sollte Google ein Gewinn­spiel ver­an­stal­ten, um Vol­kes Stimme zu beru­hi­gen.  Das schafft schliess­lich Ver­trauen!  So ein kos­ten­lo­ser Cup­hol­der (das ist neu­deutsch für Becher­hal­ter) macht es für die meis­ten Men­schen ja auch erträg­lich, bei den Ver­bre­chern der Ölin­dus­trie Kraft­stoffe zu kau­fen.  Dass in Afrika ganze Land­schaf­ten ver­seucht und Völ­ker um ihre Lebens­grund­lage gebracht wer­den, nur damit wir bil­lig tan­ken kön­nen — ach, das wird schon nicht so schlimm sein.  Ich finde, Google sollte es ähn­lich cle­ver ver­su­chen wie diese sym­pa­thi­schen Unter­neh­men, bei denen wir täg­lich den Sprit kau­fen, um zum Super­markt in der Vor­stadt zu fah­ren, bei dem wir gegen­über dem klei­nen Laden im Dorf sie­ben Cent pro Liter Milch spa­ren.  Ach, den klei­nen Laden um die Ecke gibt’s bei ihnen nicht mehr?  Na, dann spa­ren Sie womög­lich gar nichts — bes­ser nicht drü­ber nach­den­ken.  Unser Leben ist zu kom­pli­ziert gewor­den.

Sie wer­den es bemerkt haben:  Ich bin kein «Fortschritts»-Fanatiker, habe aber nichts gegen Goo­g­les Street View.  Ich halte das Ange­bot viel­mehr für einen sinn­vol­len Ser­vice.  Viele Laut­spre­cher sehen das anders.  Ein wenig fühle ich mich bei deren Ableh­nung aller­dings erin­nert an die Argu­men­ta­tion der frü­hen Eisen­bahn­geg­ner, die behaup­te­ten, das Trom­mel­fell würde plat­zen, wenn man schnel­ler als mit einer Pfer­de­kut­sche unter­wegs sei.  30 Stun­den­ki­lo­me­ter?  Undenk­bar!  Teu­fels­zeug!

Google Street View hat sicher ein (begrenz­tes) Mass an Miss­brauchs­po­ten­tial.  Es ist ande­rer­seits aber auch ein Dienst, der wun­der­bare Ein­bli­cke in unsere Welt zulässt.  Er wird kom­men, so oder so — und noch viel mehr:  Es gibt bereits bezahlte Geo-Dienste, die weit (!) mehr lie­fern, weit detail­ge­treuer sind und weit aktu­el­ler, als all das, was Google, dastelefonbuch.de und andere bereits heute kos­ten­los zur Ver­fü­gung stel­len.

Oder glau­ben Sie, das Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Schmidt auf Google ange­wie­sen ist, wenn er bei Ihnen in den Vor­gar­ten schauen möchte?

Google Street View wird auch bei uns ein­ge­führt wer­den.  Es wird ein paar Feh­ler geben, die wer­den kor­ri­giert wer­den und gut ist es.  Auch bei uns in der ver­schla­fe­nen Wet­terau.  Glau­ben Sie nicht?  Ist zu unin­ter­es­sant, unsere ver­schla­fene Gegend?  Na, dann wachen Sie bes­ser auf.  Google war schon lange hier:

[nggal­lery id=103] (funk­tio­niert bald wie­der)

-fj

PS. Böser Schreib­feh­ler im Titel!  Natür­lich soll es heis­sen:  «Hören Sie auf, Hil­le­sheim»!

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¹ aus­führ­li­chere Infor­ma­tio­nen und Links zum Thema «Pan­ora­ma­frei­heit» bei Wiki­pe­dia

6 Kommentare auf "Hören Sie auf Hillesheim!"

  1. Frank J. sagt:

    Aktu­el­les um die Posse: Wenn man stern.de glau­ben darf, dann for­dert der CSU-Poli­ti­ker Johan­nes Sing­ham­mer eine Son­der­ge­bühr für Google wegen Street View. Eine blen­dende Idee, um das Haus­halts­loch zu stop­fen! Bitte nach­le­gen, Herr Sing­ham­mer: Eine Son­der­steuer für japa­ni­sche Tou­ris­ten mit Foto­ap­pa­rat wäre doch auch denk­bar, oder?

    Wer mehr über diese Denk­fa­brik aus Bay­ern erfah­ren möchte, der kann hier nach­schla­gen. Dort kann man ler­nen, dass Herr Sing­ham­mer auch mal Mon­sieur Sar­kozy getrof­fen hat (sehens­wert, wie innig ihm der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent die Hand schüt­telt! :-)).

    Ob Sing­ham­mer seine Reise mit Google Street View vor­be­rei­tet hat (denn in Frank­reich ist die­ser Dienst bereits ein­ge­führt), wird nicht über­lie­fert.

    -Frank

  2. Frank J. sagt:

    Auch Lucia Putt­rich, Vor­sit­zende der Wet­ter­auer CDU, hat sich in die Dis­kus­sion ein­ge­bracht:

    «Wem unwohl ist bei dem Gedan­ken, dass er sein Haus, sein Fahr­zeug nebst Num­mern­schild, seine Kin­der oder sich selbst in Pan­ora­ma­ab­lich­tung künf­tig welt­weit im Inter­net wie­der­fin­det, kann bei Google dage­gen Wider­spruch ein­le­gen»,

    so äus­serte das Mit­glied des Bun­des­tags sich bereits im Februar 2010 auf den regio­na­len Web­sei­ten der Par­tei.

    Klar, Frau Putt­rich kann man. Ob Google so einen Wider­spruch aller­dings beach­ten muss, wenn jemand sein Auto nicht abge­bil­det haben möchte, das bleibt ebenso zwei­fel­haft wie die Ant­wort auf die Frage, ob Sie sich mit dem Thema Street View aus­rei­chend beschäf­tigt haben.

    Ich konnte auf den CDU-Web­sei­ten ler­nen, dass Sie «ver­brau­cher­po­li­ti­sche Bericht­erstat­te­rin der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­tion» sind. Haben Sie viel­leicht dem Sing­ham­mer seine bla­ma­blen Weis­hei­ten ein­ge­flü…? Nee, Frau Putt­rich! Wie aus­ge­kocht! Dass die CSU schon manch­mal ein wenig quer liegt mit Ihrer Par­tei, weiss man ja, aber gleich so etwas!? Ein genia­ler Schach­zug!

    Abschlies­send: Sollte Ihnen mein Foto Ihres Wahl­pla­kats zusam­men mit dem Google-Kame­ra­wa­gen (siehe Fotos im Arti­kel) nicht genehm sein, dann bitte ich um Wider­spruch bin­nen vier Wochen — ach was, ich ver­län­gere auf vier Monate. :-)

    -Frank

  3. Dieter Falzmann sagt:

    Nicht nur nicht übel, son­dern unter­halt­sam und mit viel Esprit
    (ich meine jetzt nicht die Firma!)

    grüße
    die­ter falz­mann
    google sieht man, die im Dunk­len sieht man nicht !

  4. Frank J. sagt:

    Danke für die Rück­mel­dung, Herr Falz­mann.

    Ich sin­niere gerne ein wenig über Kom­men­tare zu mei­nen Arti­keln. Was kann ich dar­aus ler­nen? Im vor­lie­gen­den Fall komme ich zu fol­gen­dem Ergeb­nis:

    Wenn man gele­sen wer­den möchte, muss man vor­sich­tig und unter­halt­sam schrei­ben. Ein­fach Fak­ten auf­lis­ten, den Unsinn so man­cher Aus­sage schlicht fest­stel­len, auf Ein­sicht bei den Men­schen und Ände­rung bei man­chen Poli­ti­kern drän­gen -- so funktioniert’s lei­der nicht.

    Statt des­sen bedarf es einer Schreibe mit viel Sprit -- äh-Sprit -- und auch dann ändert sich nichts.

    -Frank

    PS. Kön­nen Sie mir nicht mit einem loka­len SPD-Poli­ti­ker aus­hel­fen, der sich beim Thema Google Street View dis­qua­li­fi­ziert hat? Sie wer­den Frau Putt­rich doch hier nicht alleine las­sen, oder? ;-)

    Dem CSU-Sing­ham­mer kann ich ja immer­hin Helga Schmitt-Bus­sin­ger (innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin der bay­ri­schen SPD-Land­tags­frak­tion) ent­ge­gen­set­zen, die Google Street View als
    kos­ten­lo­ses Rundum­pa­ket für Kri­mi­nelle“ bezeich­net. Schi­cker Ver­such mit der Angst: Da lau­ern bestimmt Räu­ber­ban­den in Rumä­nien mit ihren Note­books, um end­lich mit­tels Google Street View den Die­bes­zug durch Mün­chen pla­nen zu kön­nen.

    Viel­leicht könnte man den Ver­kauf von Land­kar­ten, die Benut­zung von Navi­ga­ti­ons­sys­te­men und den Ein­satz von Fern­glä­sern gleich mit auf­neh­men in die Liste der zu regu­lie­ren­den Lebens­sach­ver­halte?

  5. Andreas Möschl sagt:

    Hallo Frank - abso­lut geniale Dar­stel­lung - auch mir hat Google Street View bis jetzt nur Gutes gebracht, sei es die Infor­ma­tion zu einem Hotel auf einer mei­ner Dienst­rei­sen oder aber die logis­ti­schen Mög­lich­kei­ten wäh­rend einer mei­ner Kon­zert­rei­sen mit dem TOURCHESTER. Aus­ser­dem ist, wie du rich­tig schreibst, das Meiste sowieso bekannt …

    Und viele Poli­ti­ker soll­ten sich das erst­mal anse­hen, bevor sie dar­über wet­tern …

    Andreas

  6. Dieter Falzmann sagt:

    Lei­der habe ich erst jetzt wie­der Zeit gehabt, hier rein­zu­schauen.
    Beschäf­tige mich aber nicht so inten­siv mit dem Thema. Es gibt bestimmt auch im regio­na­len Bereich abso­lute Goog­le­spe­zia­lis­ten, die „Enter“ bei der Pira­ten­par­tei suchen. Wei­ter so,

    gruß die­ter

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