8. November 2010, von

Grünes Pflänzchen

Da tut sich etwas in Reichelsheim.  Die Zeitung schreibt darüber, der Bürgermeister ist neugierig — was ist passiert?

Nun, Martin Welti, zugezogener Reichelsheimer und eifriger Leser der Wetterauer Weltbilder, möchte etwas anbieten für die Menschen in seiner Umgebung:  Für eine bessere demokratische Kultur in Reichelsheim, für nachvollziehbare kommunale Prozesse, für mehr Spannung im politischen Alltag, für Meinungsvielfalt abseits der eingeübten Machtspielchen zwischen SPD und CDU.  All das kann seiner Ansicht nach nur dazu führen, dass der marode politische Alltag der kleinen Stadt in der Wetterau mit Leben gefüllt wird.

Die Frage ist klar:  Wie macht man das?  Die Antwort ist ebenso einfach:  Man strebt einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung an.  Dazu bedarf es vernünftigerweise einer Parteiorganisation, denn ganz alleine wird man den Einzug ins Stadtparlament nicht schaffen.  Martin Welti ist Mitglied bei den Grünen — und so initiierte er ein Treffen der Reichelsheimer Parteimitglieder.

Im Artikel der Wetterauer Zeitung können Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein paar Eindrücke davon bekommen, was an jenem Abend im Reichelsheimer Ristorante Pizzeria Il Colosseo vor sich ging.  Viel war das nicht — und das war auch nicht anders zu erwarten — doch wie, wenn nicht mit einem ersten Zusammentreffen, wollte man einen Anfang machen?  So bildeten die Reichelsheimer Grünen Götz Wollinsky und Eike Thiele zusammen mit Martin Welti die Troika, die hier etwas bewegen möchte.  Der Kreissprecher der Grünen, Helmut Betschel-Pflügel, leitete die Sitzung.

Viel spannender als die Formalien war aber der neugierig-schüchterne Besuch des Bürgermeisters Bertin Bischofsberger.  Taxierte er die Runde erst noch auffällig unauffällig aus der sicheren Entfernung des Tresens, so trat er nach einigen Minuten an den Tisch und bat darum, sich dazusetzen zu dürfen.  Es war eine öffentliche Veranstaltung — nichts sprach also dagegen, dass der erste Mann Reichelsheims die neuen politischen Gesichter in seiner Stadt unter die Lupe nahm.  Ob er auf Anregungen für seine umstrittene Arbeit hoffte?  Egal — denn es ist auf jeden Fall zu begrüssen, dass Bertin Bischofsberger sich für diese neue politische Entwicklung in Reichelsheim interessiert.

Martin Welti machte einen entschlossenen Eindruck, war im Gespräch weit entfernt von der in den verantwortlichen politischen Kreisen in Reichelsheim immer wieder anzutreffenden Mentalität des «so ist es nun mal, da kann man nichts machen».  Dabei erweckt er nicht den Eindruck eines Träumers, kennt aus seinem Beruf die harten Realitäten von Verwaltungsstrukturen — aber im Gegensatz zu so manchem gestandenen Politiker in Reichelsheim vermittelt er das Gefühl, dass Vernunft seine Triebfeder ist — und nicht Rücksichtnahme auf seit Jahrzehnten gewachsene Seilschaften.

Wenn man ihm zuhört, kann man erkennen, dass ihm natürlich bewusst ist, dass es ein politisches Alltagsgeschäft gibt.  Darüber hinaus hat er aber auch Ideen parat, die eine Weiterentwicklung der eher kümmerlichen politischen Kultur in Reichelsheim zum Ziel haben (ein Interview mit Martin Welti finden Sie hier).

Seine Initiative ist heute nur ein kleines grünes Pflänzchen — doch wer weiss, vielleicht wächst es ja?  Interessierte, Mitstreiter, Unterstützer, Begleiter sind gesucht, ob in vorderster Linie oder im Hintergrund.  Da sollte sich in der regen Leserschaft der Wetterauer Weltbilder doch die eine oder der andere finden lassen, oder?

-fj

Nachtrag:  Zu dem oben verlinkten, teils sinnentstellenden Artikel in der Wetterauer Zeitung habe ich eine → Bemerkung in eigener Sache verfasst.

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