11. November 2010, von

Interview: Martin Welti

Vor einer Woche hat der Reichelsheimer Martin Welti einen Ortsverband der Grünen ins Leben gerufen (siehe Artikel dazu).  Er möchte die Grünen in die Stadtverordnetenversammlung führen und wird zur Kommunalwahl 2011 antreten.

Um herauszufinden, wer dieser Mann ist und was seine politischen Ziele in Reichelsheim sind, führten die Wetterauer Weltbilder ein Interview mit ihm.


Wetterauer Weltbilder: Was ist der Auslöser, warum sie politisch aktiv werden?

Martin Welti: Ich lebe seit vier Jahren in Reichelsheim und bin enttäuscht von der vorgefundenen politischen Landschaft — angefangen bei Ablauf und Inhalt der Stadtverordnetenversammlung bis hin zu einer fehlenden modernen, transparenten Bürgerinformation.  Ich vermisse die Absicht, die Menschen auf dem Weg zur politischen Meinungsbildung zu berücksichtigen und mitzunehmen.

WW: Bürgermeister Bischofsberger bezeichnet den neuen Internetauftritt der Stadt Reichelsheim als «informativ», die Seiten zur Stadtpolitik werden von ihm als Beitrag zur «elektronischen Demokratie» dargestellt.  Das Angebot im politischen Bereich sieht er als «transparent» an.  Ist nicht all das bereits vorhanden, was Sie fordern?

Welti: Der vom Bürgermeister im Wahlkampf versprochene Internetauftritt ist halbherzig und aus meiner Sicht nicht am Dialog interessiert.  Auf zwei Anfragen über die Internetseiten der Stadt habe ich, mit Ausnahme einer Abwesenheitsnotitz des Bürgermeisters, bis heute keine Antwort erhalten.  Informationen über aktuelle Themen, wie beispielsweise das Nutzungskonzept des ehemaligen Raiffeisengeländes, Sachstand der Anträge (z.B. Dorferneuerungsprogramm) finde ich in der Zeitung, aber kein Wort dazu vom Bürgermeister.

Aber kritisieren reicht nicht aus, deshalb habe ich den Entschluss gefasst, selbst aktiv zu werden.

WW: Welche Qualifikationen bringen sie für eine solche politische Aufgabe mit?

Welti: Für die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung muss man sich sowohl mit Verwaltungszusammenhängen, als auch mit betriebswirtschaftlichen Hintergründen auskennen.  Als Verwaltungsbetriebswirt bringe ich hier fundierte Kenntnisse mit.  Ehrenamtliche Arbeit in Gremien hat mich zudem schon immer interessiert:  Als Leiter einer Gewerkschaftsortsgruppe und als Vorstandsmitglied einer Waldorfschule habe ich langjährige Erfahrung.

WW: Was ist ihr erstes Ziel, nachdem Sie nun einen grünen Ortsverband gegründet haben?

Welti: Ich wünsche mir Menschen in Reichelsheim zu aktivieren, die sich für Kommunalpolitik interessieren und bereit sind, an der Gestaltung der Reichelsheimer Zukunft mitzuwirken.

WW: Worin bestehen für Sie die wichtigsten Aufgaben bis zur Kommunalwahl im März 2011?

Welti: Wir möchten Menschen finden, die aktiv an einer Weiterentwicklung von Reichelsheim interessiert sind, die bereit sind neue Wege zu gehen und sich nicht scheuen, die anstehenden Themen zunächst unter verschiedenen Perspektiven zu diskutieren, um dann zu einem bürgernahen Ergebnis zu gelangen.

Weiter möchten wir die Themen sammeln, die die Menschen in Reichelsheim interessieren und bewegen.  Im Dialog mit den Bürgern wollen wir die Menschen ermuntern, selbst aktiv zu werden.

WW: Was wird in Reichelsheim anders, wenn sie Stadtverordneter sind?

Welti: Wichtig für mich ist eine wirklich transparente Verwaltung und eine umfangreiche Information und Einbeziehung der Menschen in die politischen Prozesse.  Wohin es führt wenn Politik nicht mehr vermittelbar ist, sieht man derzeit sehr aktuell an Stuttgart 21.

Es braucht aber mehr aktive Menschen als nur mich, nur gemeinsam kann es gelingen die Diskussionskultur zu beleben und aktiv nach Lösungen für die Menschen zu suchen.

WW: Sie wollen für die Grünen antreten.  Was sind für sie die wichtigen Kernpositionen dieser Partei?

Welti: Wir Grünen sind der Zukunft verpflichtet mit der Vision, dass Mensch und Natur im Einklang miteinander leben.  Daher gilt es, die politischen Entscheidungen dafür zu treffen, dass der Weg in diese Zukunft beschritten wird.

WW: Und konkret für Reichelsheim bedeutet das was?

Welti: Reichelsheim hat bis heute keine Klimaziele formuliert, versucht nicht über eine Energieberatung die Eigentümer in der Sanierung der Gebäude zu unterstützen.  Reichelsheim hat sich nicht aktiv an der Gestaltung des neuen Bahnhofs beteiligt, obwohl umweltverträgliche Mobilität ein wichtiges Thema ist.  Und die Grünen stehen für die lebendige Diskussionskultur, die hier im Ort dringend benötigt wird.  Deshalb trete ich für die Grünen an.

WW: Wenn man Ihnen die Stimme geben will, was für einen Menschen wählt man?

Welti: Sie wählen einen 53jährigen Familienvater, der mitten im Leben steht.

WW: Wird es einfach werden, in die Stadtverordnetenversammlung gewählt zu werden?

Welti: Nein, ich suche noch Menschen, die wie ich bereit sind lokalpolitisch aktiv zu werden.  Dazu muss man nicht Mitglied der Grünen sein.  Das nächste Treffen unseres Ortsverbandes ist am 24. November in Heuchelheim, Hauptstrasse 20 um 20 Uhr.  Wer sich beteiligen will kann einfach vorbeischauen oder mich unter 0 60 35/18 929 55 anrufen.  Per eMail bin ich unter info@welti.org erreichbar.

WW: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Welti.

Das Interview führte Frank Jermann.

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