30. Dezember 2013, von

Tauber, arbeiten wir dran!

Hallo Herr Tauber,

danke für Ihre Antwort. Ich habe mich darüber gefreut, auch wenn die Inhalte noch Luft nach oben haben. Arbeiten wir daran:

Das Thema

„Immer nur jammern und meckern“, so schreiben Sie.  Was hat das mit meinem Artikel oder mir zu tun?  Ach so, das ist nur der alte Trick, dass man den Schreiber attackiert, wenn bei den Inhalten nicht viel geht?  Ich verstehe.

Also zur Klarstellung:  Meine Lebensfreude ist hier nicht das Thema.  Wenn sie es wäre, dann erwartete ich von einem Spitzenpolitiker wie Ihnen allerdings so viel Analysefähigkeit, dass er den Gedankenschlag vom Genuss eines Lesers zur Persönlichkeit des Autors besser hinbekommt, als Sie es hier vorführen.  Sie merken:  Ich lerne Sie immer besser kennen.

Lechts oder rinks (Jaja, ich weiss: Werner Finck; ursprünglich Ernst Jandl)

Ihr in rechts und links geteiltes Lagerdenken teile ich grossteils nicht, denn es ist typisch rechts.  (Anmerkung: Das war eine Pointe, die ich recht unterhaltsam finde, Herr Tauber.  Beim Schreiben musste ich lächeln.  Nicht, dass Sie mir deswegen wieder den linken Griesgram anhängen wollen …)  Nun, ich nehme an, dass Sie als Generalsekretär bewusst einfache Positionen verkaufen müssen.  Da hilft Ihnen eine Einteilung in rechts und links an den Stammtischen natürlich enorm.  Ich verstehe auch das.

Wenn „stark und mutig“ linke Eigenschaften sind — wie Sie es andeuten — dann möchte ich allerdings gerne links sein.  Ich hoffe, das ist Ihnen recht?  Allerdings fürchte ich, dass ich Ihrer Analyse erneut nicht standhalte:  Ich sehe mich eher als mittig-links mit sozialistisch-grünem Einschlag, starker Abneigung gegen neo-liberal und ganz rechts.  Also nur bedingt mittig und mutig.  Wenn Sie aber einen Schritt nach rechts machen, ist meine Position wieder ein Stück weiter links.  Dann passt’s.

Finanzen

Die Finanzierung der Plakate — ah, mein Fehler!  Die Finanzmauscheleien der CDU, die seit Jahrzehnten bekannt sind (Kohl, Leisler-Kiep, Koch, Kanther, Böhr — helfen Sie mir:  Wen habe ich alles vergessen?), sitzen wie der Geruch alter Mottenkugeln in den Kleidern.  Da ist wohl etwas in meiner Nase hängen geblieben.

Es ist gut zu lesen, dass Sie das anders machen.  Kaum anzunehmen, dass die Partei irgendwelches Steuergeld ohne Ihr Wissen zuschiesst.  Schliesslich sind das ja Spendengelder, die Sie verwenden.  Die 38 Cent aus Steuermitteln, die Parteien pro gespendetem Euro bei Spenden unter 3.300 Euro erhält, die benutzt die CDU natürlich nur für andere Dinge, wie, äh, wie Zahnweiss?

Für Birstein nach Berlin

Ihr Engagement für Birstein — Sie haben es ja zu einem Wahlkampfmotto gemacht.  Wenn Sie das nun mit der Ankündigung paaren, sehr oft in unserem Wahlkreis zu sein, lässt mich also auf viele Verbesserungen hoffen.  Prima!

Themenvorschläge:

  • Treten Sie Ihren — äh, nein, motivieren Sie Ihre Birsteiner Parteigenossen (wie heissen die eigentlich bei der CDU?) doch mal, ihrem Auftrag nachzukommen, für den die Parteien ja aus Steuergeldern Zuwendungen erhalten.  Im Parteiengesetz lese ich:  „… politische Bildung anregen und vertiefen, die aktive Teilnahme der Bürger am politischen Leben fördern, […] und für eine ständige lebendige Verbindung zwischen dem Volk und den Staatsorganen sorgen.“  Schauen Sie mal auf deren anregende, lebendige und völlig veraltete Webseiten — aber die werden Sie ja kennen, wenn Ihnen Birstein so am Herzen liegt.  Ist das nicht eine spannende Aufgabe für einen Generalsekretär?
  • Desweiteren können wir hier jede Unterstützung bezüglich sichererer Strassen brauchen.  Auf das Thema Tempo 30 in Völzberg weise ich dabei gerne hin.  Wussten Sie eigentlich, dass die CDU Birstein auf meine Anfragen zu diesem Thema nicht reagiert hat?  „… die aktive Teilnahme der Bürger am politischen Leben fördern …“ — möglicherweise kennen die das Parteiengesetz nicht mal?  Tauber, übernehmen Sie!

Ja, vielleicht sehen wir uns einmal.  Reden müssen wir ja nicht unbedingt, aber sehen, das wäre was.  Händeschütteln vielleicht, das wird von Politikern gerne gemacht — und dann das Thema verdrängt.

Vermutlich werde ich Sie an Ihrem Lächeln erkennen und Sie mich an meiner finster-linken Miene.

Frank Jermann


 

Was bisher geschah:

  1. Tauber — für Birstein nach Berlin (19. Dezember 2013)
  2. Lachen im Halse (20. Dezember 2013)
  3. Antwort von Tauber (23. Dezember 2013)
  4. Gerne geschehen, Tauber! (29. Dezember 2013)
  5. Tauber, arbeiten wir dran! (30. Dezember 2013)
  6. Mir geht es gut (15. Januar 2014)
  7. Schnuppern (19. Februar 2014)
  8. Eindeutiger Bürgerwille? (4. März 2014)

ein Kommentar auf "Tauber, arbeiten wir dran!"

  1. Alfred Vieth sagt:

    In Ergänzung zur Diskussion zwischen Herrn Tauber und Herr Jermann ist mir folgendes aufgefallen.

    Am 11.Januar 2014 brachte die Wetterauer Zeitung ein Interview mit dem neuen CDU-Generalsekretär. Die Antworten sind sehr aufschlussreich. Am besten finde ich diese hier:

    WZ Frage: Was macht die CDU für junge Menschen attraktiv?

    Tauber: Bei der Bundestagswahl ist die CDU mit Abstand stärkste politische Kraft bei den Jung- und Erstwählern geworden. Diesen großen Vertrauensvorschuss müssen wir durch unsere Arbeit in der Regierung rechtfertigen. Mein Eindruck ist, dass die junge Generation heute nicht ideologisch festgelegt ist. Junge Leute stecken sich Ziele und wollen etwas leisten und fragen sich sehr bewusst, was eine Partei für sie und ihre Zukunft tut. Neben den Jüngeren habe ich aber noch eine andere Gruppe im Blick: Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

    ___________________

    Habe auch nach mehrmaligem Lesen keine Antwort auf die gestellte Frage gefunden, oder verstehen Sie das? Vielleicht sollte Frank Jermann doch mal mit Herrn Tauber reden.

    Dass die Wetterauer Zeitung in der Biographie von Herr Tauber seine Tätigkeit als Pressesprecher bei der Deutschen Vermögensberatung AG Frankfurt vergisst, ist aber bei dieser Zeitung verständlich.

    mfg
    Alfred Vieth

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