6. Februar 2014, von

Schwarz-gelber Krimi

Es muss ein Fluch sein.  Zuerst nehmen wir die Warnzeichen vor Atomkraft ernst.  Dann wählen wir eine gleichfarbige, aber weit weniger strahlende Bundesregierung ab.  Seit einigen Monaten trifft die Borussia aus Dortmund kaum noch ins schwarz-gelbe.  Jüngst ramstettert sich der ADAC um seine Reputation.  Ist es nun nicht endlich genug, fragen sich Liebhaber von schwarz-gelb?

Nein, es ist immer noch nicht genug, denn es gibt ja noch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).  Auch sie kommen in schwarz-gelb daher und verhalten sich artgerecht.  Im Jahr 2007 liess sich die Anstalt öffentlichen Rechts von der Bank JP Morgan Chase eine Wette andrehen, die für die BVG — und damit wohl die Steuerzahler — zum Verlust von zirka 150 Millionen Euro geführt hat.  Dagegen klagt die BVG nun in London.  Im Rahmen dieses Verfahrens tauchen nun unangenehme Details auf, wie gelbe Eiterpickel in der Pubertät.

Grosse Geschäfte

Die BVG wollte mitmischen im grossen Geschäft.  Leicht verdientes Geld mit irgendwelchen Finanzgeschäften — das machte damals schliesslich jeder.  Verstanden hat man nicht, worauf man sich einliess.  So wurde eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, von der man sich Aufklärung darüber versprach, was man da eigentlich machte.  Dass diese Kanzlei aber für JP Morgan — also den Anbieter der Schrottpapiere — arbeitete, wusste man nicht.

Aufsichtsratsvorsitzender der BVG war zum damaligen Zeitpunkt der nicht gänzlich unbekannte Thilo Sarrazin.  Auch er — damals immerhin Berliner Finanzminister — hat das Geschäft mit der Bank wohl ebenfalls nicht verstanden.  Abgenickt hat er es trotzdem.

Ein Krimi

Die Geschichte hat bereits jetzt den Unterhaltungswert eines Krimis.  Nachzulesen sind die Details in der tageszeitung.  Wenn es für uns Steuerzahler auch teuer werden kann:  Spannend ist es allemal.

Wem der Preis für diese Geschichte zu hoch ist, der sollte lieber auf eine Erzählung mit der Tigerente ausweichen.  Wenigstens da ist schwarz-gelb noch positiv besetzt.  Für alle anderen habe ich den Sachverhalt unten zusammengestellt.

-fj

Nachzulesen in der taz (in chronologischer Reihenfolge)

26. Januar 2014

Der Kontrollverlust der BVG

„Im Jahr 2007 hatten die Verkehrsbetriebe allerdings eine abgehobene Idee: Die landeseigene Einrichtung sollte an den Finanzmärkten mitspekulieren und damit im besten Fall einen Gewinn von 7,8 Millionen Dollar machen. Es trat dann aber der schlechteste Fall ein: Ein Verlust von 204 Millionen Dollar.“ [mehr]

27. Januar 2014

„Das ist alles Teil der Strategie“

„Weil dem zuständigen Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe bewusst war, dass er von dem Finanzdeal zu wenig verstehen, hat er die Kanzlei Clifford Chance mit einer rechtlichen Beurteilung des Geschäftes beauftragt. Die BVG bezahlte dafür 45.000 Euro an die Kanzlei. In Wirklichkeit arbeitete die Kanzlei allerdings im Auftrag der Investmentbank JPMorgan.“ [mehr]

27. Januar 2014

Der Betrug an dummen Deutschen (Kommentar)

„Es handelt sich um Betrug. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden hereingelegt – und zwar von der größten Investmentbank der Welt, von JPMorgan. Denn die Amerikaner wussten genau, dass sie Schrottpapiere verhökerten. Schließlich hatte JPMorgan diesen Schrott selbst fabriziert. Die Bank wollte sichere Gewinne kassieren; eventuelle Verluste sollten die Trottel in Deutschland tragen.“ [mehr]

27. Januar 2014

Geisterfahrer kommen davon

„Im Jahr 2007 beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat ein riskantes Finanzgeschäft. Rund 150 Millionen Euro Verlust verbuchten die Verkehrsbetriebe mit dem Geschäft. Das entspricht 57 Millionen nicht gelösten Einzeltickets. Es ist der gleiche Schaden, den alle Schwarzfahrer Berlins zusammengenommen in siebeneinhalb Jahren für die BVG verursachen. Die Konsequenzen für die Verantwortlichen: Keine.“ [mehr]

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