4. März 2014, von

Eindeutiger Bürgerwille?

Vor zwei Wochen kündigte ich an, dass ich nachfragen werde bei Tauber.  Wie ist seine Haltung zum Thema Mensa und kleine Sporthalle in Birstein? 

Frage und Antwort

Also spitzte ich meinen elektronischen Bleistift und formulierte mein Anliegen:

Sehr geehrter Herr Tauber,

Sie sind zwar als Bundestagsabgeordneter für uns Birsteiner angetreten, jedoch nehme ich an, dass Sie auch im Kreis ein waches Auge auf unsere Geschicke hier oben im Vogelsberg haben.

Ich vermisse eine Stellungnahme von Ihnen zum Thema Mensa in Birstein.  Habe ich da etwas übersehen?

Mit freundlichem Gruss,

Frank Jermann

Es dauerte exakt anderthalb Stunden, bis eine Antwort eintraf.

Wow!  Klasse!  Meine Bedenken, dass wir Birsteiner dem Tauber schnuppe sind, zerbröselten ob seiner exorbitant schnellen Erledigung meines Anliegens.  Meine Euphorie hielt sekundenlang — bis ich seine Antwort las:

Sehr geehrter Herr Jermann,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Wie Sie wissen, setze ich mich nicht nur als Bundestagsabgeordneter, sondern auch als Kreistagsabgeordneter für die Interessen der Menschen in der heimischen Region ein. Im konkreten Fall verweise ich daher auf die Stellungnahme meiner Fraktion zu diesem Thema. Eine entsprechende Pressemitteilung finden Sie unter [→Link].

Ich hoffe damit Ihre Frage beantwortet zu haben.

Mit besten Grüßen

Dr. Peter Tauber

Tauber, da hoffen Sie vergeblich.  Was Sie mir da geschickt haben, das ist keine Antwort.  Nun ja, ich korrigiere: keine zufriedenstellende Antwort auf meine Frage, sondern üblicher Politsprech.

Ihr Einsatz, Tauber?

Tauber: Am Rohr oder auf dem Schlauch?

Sie setzen sich also als „Kreistagsabgeordneter für die Interessen der Menschen in der heimischen Region ein“?  Meinen Sie damit auch die Birsteiner Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, die auf die Mensa warten?  Setzen Sie sich vielleicht sogar für den Schulstandort Birstein ein?  Ja?  Klasse!  Dann fiele Ihre Einschätzung aber anders aus.

Der Verweis auf einen Link, hinter dem nichts weiter steht, als eine völlig unzureichende Beschäftigung mit dem Sachverhalt — das hat weder Substanz, noch hilft es, eine vernünftige Regelung zu finden.  Für welche „Menschen in der heimischen Region“ soll sich denn die von Ihnen verlinkte Position einsetzen?

Tauber am Nasenring

Sie, Tauber, begeben sich in das Kielwasser der hiesigen Kommunalpolitiker, die aus eigentümlichen Gründen am Erhalt einer Halle festhalten, ohne bisher einen Fakten-Check vorgenommen zu haben. Beispiel:  Bis heute hat keiner der beteiligten Politiker den Belegungsplan der kleinen Sporthalle vorgelegt oder öffentlich auf nachvollziehbare Weise kommentiert — weder in der Gemeindevertretung, noch in den Ausschüssen oder der Bürgerversammlung.  Folglich ist es immer noch (!) völlig unklar, wie die kleine Sporthalle ausgelastet ist.  Ob sie überhaupt benötigt wird, ist nicht belegt.

Und Sie, Tauber, Sie schliessen sich — trotz all der Unklarheiten — dieser Position Ihrer CDU-Kreistagsfraktion an:

„Die Birsteiner Bürgerinnen und Bürger wollen […] ihre kleine Schulturnhalle erhalten. Dieser eindeutige Bürgerwille verdient es, dass weitere Varianten geprüft werden.“
(Zitat von Michael Reul, Fraktionsvorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion; Quelle: cdu-fraktion-mkk.de)

Müssen Sie eigentlich Reuls Meinung übernehmen, nur weil er Ihr Fraktionsvorsitzender ist?  Haben Sie seine Aussagen überprüft?

Details zum eindeutigen Bürgerwillen

Wenn Sie sich Reuls Aussage zu eigen machen, dann gehen also auch Sie von einem „eindeutigen Bürgerwillen“ aus?  Nun, da Sie sich hier in Birstein bisher nicht haben blicken lassen, können Sie es wohl nicht besser wissen.  Ich gebe Ihnen gerne ein paar Denkanstösse:

  • Ich kenne eine Menge Birsteiner, die den Erhalt der kleinen Schulturnhalle unter Berücksichtigung der Umstände nicht befürworten.  Schon dieser Umstand lässt die Formulierung „eindeutiger Bürgerwille“ auf wackligen Füssen stehen.
  • Desweiteren ist es recht wahrscheinlich, dass manche Birsteiner nicht den von Ihnen behaupteten „eindeutigen Bürgerwillen“ vertreten, weil sie der gut begründeten Position der Schulleiter folgen — und dabei die Interessen von Schülern und Familien im Auge haben.
  • Zumindest aber sollten Ihnen die Worte des Schreibens vom SV Hochland Fischborn an den Kreis bekannt sein, wenn Sie es ernst meinten mit Ihrem Anspruch, sich „für die Interessen der Menschen in der heimischen Region einzusetzen“.  Dort wird ausgeführt:

„In der heutigen Zeit weht ein rauer Wind durch Wirtschaft und Kommune – und wir müssen uns alle damit anfreunden, dass es nicht immer nur vorwärts geht.  Wir stimmen daher den Schulen und vor allem Herrn Neeb zu, der für eine Mensa und für eine grundsanierte Grossturnhalle plädiert – und dafür den Wegfall der Kleinturnhalle als Opfer in Kauf nimmt.“
(Zitat aus einem Brief des SV Hochland Fischborn an den Main-Kinzig-Kreis, 5. Februar 2014)

Was bleibt also übrig vom „eindeutigen Bürgerwillen“, den Sie bemühen, Tauber?  Nicht viel, oder sehen Sie das anders?

Hand aufs Herz, Tauber!

Liege ich falsch mit meiner Vermutung:  Sie haben keinen blassen Schimmer, um was es hier geht, oder?

Lassen Sie mich Ihnen helfen:  Es geht hier nicht um Bürgerwillen, schon gar nicht um einen eindeutigen.  Es geht darum, dass sich die Birsteiner Politiker der CDU (Seite an Seite mit SPD und FBG) in dieser Angelegenheit verrannt haben.  Anders ist das Beharren bei der Sachlage kaum zu erklären.  Eine Änderung der Meinung wäre aus deren Sicht ein Gesichtsverlust.

So werden eben auch Kreispolitiker eingespannt, um einen aussichtslosen Standpunkt zu rechtfertigen.  Und dem sind Sie, Tauber, aufgesessen.

-fj

PS. Vor April wird es nicht weiter gehen in der Sache.  Erst dann wird der nächste Termin stattfinden.  Was danach geschehen wird, ist heute unklar.  Die lokalen Politiker blockieren das Projekt.  Statt mit dem Bau der Mensa im März 2014 zu beginnen, wird vorerst nichts getan — ausser immer wieder zu beteuern, dass man unbedingt eine Mensa haben wolle.  Warum machen Sie da mit, Tauber?

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