28. März 2016, von

Niederegger: Erneute Nachfrage (28. März 2016)

Niederegger, Lübeck

Foto: Morn

Sehr geehrt… [Name ent­fernt],

vie­len Dank für Ihre Ant­wort.  Ich halte diese jedoch für nicht aus­rei­chend.

Natür­lich ver­stehe ich die Absicht des Lob­by­ver­bands der Süss­wa­ren­in­dus­trie, der schon sei­ner Funk­tion nach beschwich­ti­gen muss.  Aller­dings ist diese Tak­tik nicht ange­mes­sen, denn es ist irrele­vant, ob „eine Viel­zahl von Lebens­mit­teln aus unter­schied­lichs­ten Berei­chen“ betrof­fen ist.  Es geht hier um Scho­ko­la­den­ha­sen — und für mich spe­zi­fisch um das Pro­dukt aus dem Haus Nie­der­eg­ger, zu dem ich bis­her mein gan­zes Leben lang Ver­trauen hatte.  Auch ist die Aus­sage des Lob­by­ver­bands, dass „Mine­ral­öl­be­stand­teile … über­all in der Umwelt vor­han­den sind“ eine Nebel­kerze statt sach­ge­rech­ter Auf­klä­rung.  Damit wol­len Sie mich beru­hi­gen?

Die For­mu­lie­rung, dass Scho­ko­la­den­os­ter­ha­sen „unbe­denk­lich geges­sen wer­den [kön­nen], zumal sie an der Gesamt­er­näh­rung nur einen gerin­gen Anteil haben und nur in der Oster­zeit geges­sen wer­den“ ist unge­eig­net, Ver­trauen zu schaf­fen.  Abge­se­hen davon, dass nie­mand im Ein­zel­fall wis­sen kann, wie viel jemand von den hier kon­kret bezeich­ne­ten Pro­duk­ten ver­zehrt, ist es ja nicht aus­zu­schlies­sen, dass auch  andere Pro­dukte aus Ihrem Haus belas­tet sein könn­ten.

Wenn der Lob­by­ver­band den Ver­zehr gene­rell als unbe­denk­lich ein­stuft, so steht er damit im kras­sen Gegen­satz zu Food­watch:

  1. „Aro­ma­ti­sche Mine­ral­öle (MOAH) ste­hen im Ver­dacht, krebs­er­re­gend und erb­gut­ver­än­dernd zu wir­ken.“
  2. Gesät­tigte Mine­ral­öle (MOSH) rei­chern sich in den Kör­per­or­ga­nen an und kön­nen diese schä­di­gen. Zur­zeit gibt es für MOSH keine abschlie­ßende toxi­ko­lo­gi­sche Bewer­tung und somit auch keine offi­zi­ell zuläs­sige Auf­nah­me­menge.“

Die Aus­sa­gen des Lob­by­ver­bands und von food­watch wider­spre­chen sich also:  Folgt man der food­watch-Aus­sage, dann kön­nen Lebens­mit­tel mit Mine­ral­öl­rück­stän­den nicht „unbe­denk­lich geges­sen wer­den“.  Es drängt sich der Ver­dacht auf, dass die Stel­lung­nahme des Lob­by­ver­bands ver­mut­lich wert­los ist und der vor­der­grün­di­gen Beru­hi­gung der Ver­brau­cher die­nen soll.

Meine Fra­gen an das Unter­neh­men Nie­der­eg­ger sind:

  1. Wieso schaf­fen es andere Her­stel­ler, ihre Pro­dukte in Sachen Mine­ral­öle ohne Rück­stände auf den Markt zu brin­gen, Nie­der­eg­ger aber nicht?  Dazu hätte ich mir eine Ant­wort von Ihnen gewünscht, statt des­sen bekomme ich eine sub­stanz­lose Mar­ke­ting­aus­sage von Ihnen.
  2. Wenn Nie­der­eg­ger tat­säch­lich ein „umfang­rei­ches Qua­li­täts­sys­tem“ hat, wie Sie behaup­ten, warum sind die Scho­ko­la­den­os­ter­ha­sen des Unter­neh­mens dann mit Mine­ral­ölen belas­tet?

Sie kön­nen natür­lich anneh­men, dass ich einer jener Ver­brau­cher bin, die sich von weit­ge­hend sinn­freien und zum Teil nach­weis­lich fal­schen Aus­sa­gen beru­hi­gen las­sen.  Ich ver­si­chere Ihnen aller­dings:  Ich bin kei­ner die­ser Ver­brau­cher und erwarte von Nie­der­eg­ger, einem Unter­neh­men, des­sen Pro­dukte ich seit mehr als 50 Jah­ren esse und kaufe und des­sen Tra­di­tion ich schätze, eine hand­feste, ein­deu­tige Stel­lung­nahme und kein Mar­ke­ting-Gewäsch.

Mit freund­li­chem Gruss

Frank Jer­mann


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