13. Mai 2017, von

Live vom Eurovision Song Contest (2017)

Immer­hin geht es ein paar Minu­ten frü­her los als vor zwei Jah­ren, doch wird sich der Abend trotz­dem wie­der bis nach Mit­ter­nacht hin­zie­hen. Peter Urban ist immer noch dabei. Ob man den alten Run­zel­mann mal sehen kann, um zu kon­trol­lie­ren, ob er die Qua­li­fi­ka­tion für den Rol­ling Stone Look-Alike Con­test end­lich besteht?

21:12 Uhr: Töne im Netz­hemd ver­hed­dert (Israel)
Der israe­li­sche Sän­ger ist belang­los. Wann habe ich das letzte Mal jeman­den im Netz­hemd gese­hen? 1983? Nicht jeden Ton getrof­fen — ja, das ist das sichere Zei­chen: Der ESC hat tat­säch­lich begon­nen. Unüber­hör­bar. Die Ham­pel­män­ner im Nacht­zeug besei­ti­gen jeden Zwei­fel.

21:16 Uhr: Hin­gu­cken oder -hören? (Polen)
Der Aus­schnitt! Nein, ich habe ihn zuerst nicht selbst ent­deckt, die beste Part­ne­rin von allen wies mich dar­auf hin. Sie hat Recht, er ist tief. Beein­dru­ckend tief. Holla! Und lenkt von der durch­aus hör­ba­ren Stimme ab. Schade. Aber das pol­ni­sche Lied ist irgend­wie trotz­dem ein Durch­schnitts­werk.

21:23 Uhr: Hübsch fröh­lich (Weiss­russ­land)
Nein, ein­fach abha­ken, Weiss­russ­land.

21:24 Uhr: Aus­tria — auf Eng­lisch (Öster­reich)
Nicht erst seit dem Kon­zert von Chris­toph Schell­horn bei uns in der Flie­gen­den Ente (menno, war der gut!) muss ich ja Fan der öster­rei­chi­schen Musik sein — ich erin­nere an Udo Jür­gens‘ Erfolge beim Grand Prix frü­her Zei­ten. Und nun die­ser posi­tive Kerl, der sin­gen kann und ohne viel Schnick­schnack ein sehr hör­ba­res Lied ablie­fert, das wähl­bar erscheint. Bes­se­res Mit­tel­feld, oder?  Guat gspuit!

21:28 Uhr: Fri­su­ren-Con­test (Arme­nien)
Es ist wie immer beim ESC: Warum ver­trauen auch bes­sere Sän­ge­rin­nen nicht auf ihre Stimme? Die indi­schen Anlei­hen der Tän­ze­rin­nen sind wirk­lich so über­flüs­sig wie sie selbst. Eth­no­pop — so bezeich­net Peter Urban das Werk. Chan­cen­los. Schade, mit einem guten Lied und einer fokus­sier­ten Per­for­mance hatte die Arme­nie­rin bes­sere Aus­sich­ten gehabt.

21:32 Uhr: Was ist denn los? (Nie­der­lande)
Bis­her wird ab und zu gesun­gen beim ESC? Die drei Hol­län­de­rin­nen sind wahr­lich nicht von der Tank­stelle (wer den furcht­ba­ren alten Film kennt, weiss was ich meine). Sie ste­hen da und sin­gen ein­fach! Und gut! Kein Schnick­schnack! Wo blei­ben die dün­nen Lied­chen? Ich bin tief ent­täuscht! Aber das wird schon noch …

21:36 Uhr: End­lich Gekas­pere! (Zwi­schen­mo­de­ra­tion)
Die Zwi­schen­mo­de­ra­tion macht es wett: Zwei Kas­per zap­peln das Niveau auf gewohnte Tie­fen. Danke!

21:38 Uhr: Tan­zen­der Saxo­fo­nist (Mol­da­vien)
Nein, das geht nie!  Man erkennt es sofort:  Wenn ein Tän­zer ein Saxo­fon in die Hand gedrückt bekommt und so tun muss, als wenn er das Ding spie­len könnte. Das Publi­kum johlt und klatscht trotz­dem. Wir wer­den eben gern ver­arscht. Die Tanz­num­mer der Gruppe bewegt sich zwi­schen Pein­lich- und Belang­lo­sig­keit. War das Mol­da­vien? Völ­lig egal!

21:41 Uhr: Folk­lore? (Ungarn)
Schi­cke Jacke, wenn man Folk­lore mag. Män­ner­dutt, naja, muss man auch mögen. Ist das eine Bauch­binde über der Rei­ter­hose? Die kaufe ich ihm ab! Immer­hin singt er in Lan­des­spra­che und ist echt ergrif­fen — zum Schluss sogar von der tan­zen­den Frau. Piroschka aus dem Film von 1955 mochte ich lie­ber.

21:46 Uhr: Die ers­ten Takte ent­schei­den (Ita­lien)
Dün­ner Ober­lip­pen­bart, dün­nes Lied­chen. Hey, Ita­lien, Land der gros­sen Sere­na­den vol­ler Inbrunst und Gefühl, könnt ihr das nicht bes­ser? Die­ser Typ zwi­schen Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter und dritt­klas­si­gem Schau­spie­ler aus den 20ern hat in der ita­lie­ni­schen Vor­ausschei­dung wen geschla­gen? Ber­lus­coni? Cic­cio­lina?

21:50 Uhr: Tak Dan­mark! (Däne­mark)
Ich bin ja schon glück­lich, wenn ein­fach nur gesun­gen wird. Die Dänin macht das. Kein Gewin­ner­lied, aber immer­hin. Meine Ansprü­che sind nicht hoch.

21:54 Uhr: Erwar­tungs­voll (Por­tu­gal)
Wenn so ein Typ beim ESC auf­taucht, dann muss es etwas Beson­de­res sein. Und das ist es!  Wun­der­voll bereits die erste Minute! Ist das ein Chan­son? Nie­mand im Publi­kum gröhlt mit. Rat­lo­sig­keit. Mein bis­he­ri­ger Favo­rit.

21:57 Uhr: Fut­ter!
Ich hoffe auf wei­tere Belang­lo­sig­kei­ten und ver­ab­schiede mich zum has­ti­gen Abend­essen.

[Muss ich aus der Erin­ne­rung fül­len: Aser­bai­dschan, Kroa­tien (der Klops), Aus­tra­lien (die Ally McBeal von Down Under) und Grie­chen­land (nö!)]

22:14 Uhr: Menno, war das lecker! (Grie­chen­land)
Aller­dings muss ich mich bemü­hen, den Salat mit Auber­gi­nen bei mir zu behal­ten, wäh­rend die Grie­chin ihren Schlumpf­song träl­lert. Die plan­schen­den Kerle kön­nen nichts wett­ma­chen.

22:17 Uhr: Cora­zon? (Spa­nien)
Jah­re­lange Recher­chen mit zuge­hal­te­nen Ohren haben zwei­fels­frei bewie­sen: Es gibt kein auf Spa­nisch gesun­ge­nes Lied ohne das Wort „Cora­zon“. Der blonde spa­ni­sche Bei­trag aller­dings ver­mei­det das mit eng­li­schen Bro­cken, wes­halb ich zwei­fels­frei von einem Fake Song aus­gehe. Auch das Lalala-Gekrächze kann davon nicht ablen­ken. Und warum deckt die Lügen­presse das nicht auf? Alles muss man sel­ber machen.

22:21 Uhr: Kraft­werk? (Nor­we­gen)
Die ers­ten Sekun­den waren Kraft­werk. Zumin­dest optisch. Dann fol­gen aber ein sin­gen­der Hut und eine schlag­zeu­gende Kapuze und andere Abson­der­lich­kei­ten. Und end­lich ein Tatoo! Die Ver­un­si­che­rung des Publi­kums nach dem por­tu­gie­si­schen Bei­trag ist end­lich abge­fal­len. Man kann wie­der das Hirn abschal­ten und zu Belang­lo­sem mit­schun­keln und gröh­len.

22:25 Uhr: Die Kas­per machen irgend­was. (Zwi­schen­mo­de­ra­tion)
Es soll wohl wit­zig sein.  Vor allem ist es laut und Eng­lisch mit ost­eu­ro­päi­schem Akzent. Man hätte es als Pin­kel­pause ankün­di­gen sol­len.

22:29 Uhr: Der Brexit bringt’s! (Gross­bri­tan­nien)
Ja, was ist los? Keine bri­ti­sche Pein­lich­keit wie in den letz­ten Jah­ren? Da singt eine junge Frau alleine auf der Bühne, nicht mal falsch und erst recht nicht knal­lig geklei­det in Quietsche­far­ben? Ich warte auf die Auf­lö­sung, den Wum­mer-Rhyth­mus, das Abkip­pen ins Niveau­lose — doch bis auf etwas Feu­er­werk pas­siert nichts. Der Brexit hat Eng­land auf den rich­ti­gen Weg gebracht. Wei­ter so — und dann gewinnt man in 12 Jah­ren den ESC.

22:34 Uhr: Auf einem Bein … (Zypern)
… kann man nicht ste­hen. Der alte Schnaps­dros­sel­spruch wird von den zyprio­ti­schen Jungs wider­legt. Die ein­ge­wor­fene Turn­übung wider­legt aber auch, dass man ver­stan­den hat, dass es beim Sin­gen ums Sin­gen geht — nicht um bil­lige Effekte. Ver­ge­bens gegrinst, mein Zypern­mann.

22:37 Uhr: Ich will Spass — Exten­ded Ver­sion! (Rumä­nien)
Herrje, wer dachte, dass Mar­kus wäh­rend der Neuen Deut­schen Welle die Schwelle der Belang­lo­sig­keit so hoch gesetzt hatte, dass das nicht mehr getoppt wer­den könnte, der irrte. Kein wei­tere Wort zum jodeln­den rumä­ni­schen Bei­trag. Na, soviel noch: Ob es Punkte aus den Alpen­län­dern geben wird?

22:41 Uhr: Trump für Deutsch­land?
Was, bit­te­schön, soll diese Fri­sur? Warum hat man die Sän­ge­rin mit den längs­ten Bei­nen Euro­pas in die­sen grauen Sack gesteckt? Über die Wir­kung des Lied­chens bin ich völ­lig unschlüs­sig. Die Beine hät­ten ver­mut­lich gehol­fen.

22:47 Uhr: Bloss nicht wie­der gewin­nen! (Ukraine)
Die Durch­füh­rung des ESC ist laut Medi­en­be­rich­ten für die Ukraine ein teu­res Ver­gnü­gen. Noch­mal wolle man nicht gewin­nen, so konnte ich lesen. Der Plan wird mit die­sem Lied ohne Zwei­fel auf­ge­hen.

22:51 Uhr: Irgend­wer muss ja unter den Letz­ten sein. (Bel­gien)
Glück­wunsch, Bel­gien, das reicht für die letz­ten fünf Plätze.

22:56 Uhr: Hä? (Schwe­den)
Boy­bands sind immer noch nicht out? Und wenn sie tat­säch­lich nicht out sein soll­ten, was hat so eine dann bei die­sem Wett­be­werb zu suchen? Und wenn sie dort etwas zu suchen hat, warum dann so ein Lied, das ich schon in drei Sekun­den nicht mehr erken­nen werde? Ach ja: Weil’s der Song einer Boy­band ist. Na, dann stimmt ja alles!

23:00 Uhr: Fast wie ich! (Bul­ga­rien)
Jajaja, ich kenne das schon.  Der bul­ga­ri­sche Sän­ger muss da noch durch: Er wird sich irgend­wann die Bil­der von heute anse­hen und die Fri­sur wird ihm soooo pein­lich sein!  Bei mir war’s hin­ten aber län­ger.

23:04 Uhr: Non non non! (Frank­reich)
Das Land wun­der­ba­rer Chan­sons schickt ein Lied­chen, dage­gen ist jeder deut­sche Schla­ger ein Höhe­punkt. C’est pas vrai!

23:07 Uhr: Das Ende
Jetzt beginnt diese end­lose Abstim­mung, die den Kas­pern viel Raum geben wird. Die ukrai­ni­sche Hella von Sin­nen ist auch schon da — kann mich nach­her jemand wecken?


Jurypunkte

23:48 Uhr: Die Punkte
Mein Favo­rit star­tet gleich mit 12 Punk­ten von der schwe­di­schen Jury.

23:51 Uhr: Gabriel hat’s ver­sem­melt!
Keine Punkte von Israel für Deutsch­land. Aber war Gabriel auch in all den ande­ren Län­dern?

23:56 Uhr: Ein Klas­si­ker!
Ger­many sucks. Nun, zumin­dest unsere Bei­träge zum ESC,meint man in Öster­reich. Passt scho!

00:11 Uhr: Guten Mor­gen
Meis­ter Urban meint, dass das Publi­kum die Geschichte mit sei­ner Abstim­mung noch mal span­nend machen wird. Ob der was geraucht hat? Por­tu­gal führt mit 70 Punk­ten vor Bul­ga­rien.

00:14 Uhr: Echte Span­nung
Ob das deut­sche Lied es ohne einen Punkt in der Jury­wer­tung schaf­fen wird? Nein — nicht mal das kön­nen wir! Die Iren ver­mas­seln es uns.

00:15 Uhr: Echte Span­nung
Peter Urban ver­kün­det, dass wir Spa­nien hin­ter uns gelas­sen hät­ten. Ja, stimmt — aber das ist so, als wenn Tas­ma­nia Ber­lin in ihrer Bun­des­liga-Sai­son 1965/​66 es als Erfolg ver­kauft hätte, über­haupt ein Tor geschos­sen zu haben.

00:23 Uhr: 100!
Por­tu­gal hat nun 104 Punkte Vor­sprung auf den Zwei­ten. Ich bin gespannt auf Urbans ange­kün­digte Span­nung.

Publikumspunkte

00:27 Uhr: Jetzt geht’s schnell
Warum das nun in Sekun­den erle­digt wird, nach­dem man den zähen Abend zele­briert hat, erschliesst sich mir nicht so rich­tig. Aber immer­hin komme ich wohl gleich ins Bett.

Deutsch­land hat unglaub­li­che 6 (sechs!) Punkte ergat­tert und den vor­letz­ten Platz wacker ver­tei­digt. Nun ja, gegen Spa­nien, die schlicht bla­ma­bel waren.

00:32 Uhr:Künstliche Span­nung
Die letz­ten vier und die bei­den Kas­per ver­su­chen, das Ganze irgend­wie auf­zu­pep­pen. Alles was inter­es­sant ist, spielt sich zwi­schen Bul­ga­rien und Por­tu­gal ab. Und Por­tu­gal wird das gewin­nen.

00:32 Uhr: Hätte man auf mich gehört …
… hät­ten wir alle um 21:54 ins Bett gehen kön­nen.

00:38 Uhr: Wow!
Das Schluss­wort des Sie­gers war den Abend wert. Ich werde das spä­ter her­aus­su­chen und hier zitie­ren.

00:40 Uhr: Play it again, Sal­va­dor!
Wun­der­bar! Ob wir nächs­tes Jahr eine Fülle an gut gesun­ge­nen Lie­dern oder gar anspruchs­vol­len Chan­sons erle­ben wer­den?

00:44 Uhr: Gute Nacht und — der Fak­ten­check
Allen Lese­rIn­nen eine gute Nacht!

Wie beim letz­ten Mal werde ich als Nach­trag meine Ein­schät­zun­gen an der Rea­li­tät mes­sen und viel­leicht noch ein klei­nes Fazit schrei­ben.

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